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Belebende Journale

Von Stefanie Holzer

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Der Radiosender Ö1 wird bei immer mehr Menschen immer beliebter. Der Sender trifft gut, was seine Hörer bereit sind, als Kultur zu konsumieren - und manchmal führt er seine Hörer erfolgreich in Bereiche, von denen sie noch nicht wussten, dass auch dort Vergnügen, Erbauung und Belehrung zu holen sei. Aber bei aller Wertschätzung der Abteilungen Musik und Literatur sind es die Journale, die unsereinen über Jahre hinweg bei der Stange halten.

Die Bereitung des mittäglichen Imbisses wird bei uns zumindest zu gleichen Teilen vom Aufkommen eines Hungergefühls diktiert wie vom Beginn des Mittagsjournals. In diesem Sommer werden "in loser Folge" Menschen, meist Männer, aus Wirtschaft und Politik interviewt. Diese Gespräche sind wunderbar, weil der Interviewer stets hervorragend vorbereitet ist, einige Fragen aus der Sicht der Hörer stellt, ein paar aus der Sicht der Konkurrenz und dann noch eine oder zwei, die die Person selbst darstellen. Auf diese Weise kam letzthin heraus, dass der Oberste der RZB besser nicht für ein öffentliches Amt kandidieren sollte. Er konnte überhaupt nicht begreifen, wieso Kunden das Verhalten der Banken im Zusammenhang z. B. mit Auslandsüberweisungen skandalös finden. Leicht blasiert ließ er die Hörer an seiner Weltsicht teilhaben: Die Banken sind ihren Kunden gegenüber reine Wohltäter. Früher hätten die Kreditnehmer ein Gutteil der Kosten übernehmen müssen, die jetzt auf alle Kunden verteilt würden. Leider wurde nicht nachgefragt, ob nun, da alle blechen, die Kreditnehmer weniger geschröpft werden.