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Benedikt hätte Afrikaner sein sollen

Von Hubert Feichtlbauer

Politik

Drei Kirchenkenner lüften ein wenig das | Ein "Dorf von Waschweibern" nannte US-Erzbischof Paul Marcinkus, nachdem er als Finanzmann im Vatikan gefeuert worden war, die römische Kurie. Jetzt versuchen drei renommierte Kirchenkenner, Licht ins Kirchendunkel zu bringen. In vier Beiträgen analysiert Andreas Pfeifer (ORF), wie das "Management des Mysteriums Kirche" mit knapp 3600 Bediensteten des Heiligen Stuhls und des Vatikanstaats 4800 Bischöfe, 420.000 Priester, 700.000 Nonnen und letztlich alle 1,1 Milliarden Mitglieder irgendwie zusammenhält.


In acht Kapiteln erfahren wir bei Josef Bruckmoser (Salzburger Nachrichten) Näheres über Glaubenshüter, Kirchenbürokraten, die Geschichte der Inquisition, den Index verbotener Bücher (und warum Heinrich Heine und Alfred Rosenberg schon, Darwin und Hitler aber nicht dessen Opfer wurden). Auch über Geheimaktenpolitik sowie Heilig- und Seligsprechungen erfährt man Details. Dass Medienpolitik im Vatikan nicht so praktiziert wird, wie man sie der Welt predigt, findet man bestätigt.

Schließlich wirft Heiner Boberski (Wiener Zeitung) in acht Beiträgen kritische Blicke auf die Moritatengeschichte des Vatikans: Morde an Finanzkapitänen und in der Schweizer Garde, Papstattentat und mysteriöse Papsttode. Das Ende Johannes Pauls I. wird uns als immer noch "offene Frage" dargestellt, weniger bekannt und möglicherweise sensationell dafür 1939 der Tod Pius XI. knapp vor Fertigstellung einer Enzyklika gegen den Rassismus - und bald nach einer Spritze, die ihm der Arzt Francesco Petacci (Vater der Geliebten Mussolinis) gegeben hatte.

Was Neues von Benedikt XVI.? Vielleicht, dass er noch als Kardinal Ratzinger geschrieben hat: "Die Herausforderung für Jesus im dritten Jahrtausend wird Buddha sein." Zumindest Asien war da richtig anvisiert. Ebenfalls dieser Zeit entstammt der Satz: "Es wäre ein schönes Zeichen, wenn der nächste Papst aus Afrika käme." Hat er für einen solchen im Konklave die Buschtrommel gerührt? Und: Benedikt hält sehr viel von der 1968 in München gegründeten Integrierten Gemeinde.

Eine klassische Persönlichkeitsbeschreibung lieferte er in eigener Sache. Auf die Frage von Theologen, ob die Verweigerung der Priesterweihe an Frauen durch Johannes Paul II. wirklich endgültig sei, antwortete der damalige Glaubenspräfekt Ratzinger: "Als Papstentscheidung - ja. Aber diese meine Antwort ist nicht unfehlbar."

Heiner Boberski, Josef Bruckmoser, Andreas Pfeifer

Geheimnis Vatikan.

Ecowin Verlag,

226 Seiten, 22 Euro.

Licht ins Kirchendunkel.