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Benimm-Regeln für Manager im Ausland

Von Rainald Edel

Wirtschaft

Begrüßung mit Handschlag ist nicht immer angebracht. | Grundregel: Sitten und Bräuche des eigenen Landes kennen. | Wien. "Es gibt international zwei wesentliche Kommunikationsformen: Englisch und die Business-Etikette", erklärt Thomas Schäfer-Elmayer. Im Berufsleben, vor allem in international tätigen Unternehmen, seien deshalb fundierte Kenntnisse der Benimmregeln unverzichtbar. Fallen und Stolpersteine sind mannigfaltig.


Der Experte für gutes Benehmen kennt dieses glatte Parkett nicht nur durch seine Tätigkeit als Besitzer einer Tanzschule. Bevor er die Leitung des Familienbetriebs in der Wiener Innenstadt übernommen hatte, war der studierte Betriebswirt 17 Jahre lang in leitenden Positionen für Industriekonzerne in der Schweiz, Deutschland und in Übersee tätig. Dabei konnte er hautnah erleben, wie eng gute Kenntnisse der Business-Etikette mit geschäftlichem Erfolg verknüpft sind.

Schlechtes Benehmen schadet dem Firmenruf

"Ein grober Verstoß gegen die Benimmregeln schadet nicht nur dem Eindruck, den eine Firma hinterlässt, in vielen Fällen wird es auch zu keinem Auftrag kommen", sagt Elmayer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Denn der Person, die gegen die Etikette verstoßen hat, wird automatisch auch die fachliche Kompetenz abgesprochen.

Während die entsprechende Berufskleidung - Anzug beziehungsweise Kleid oder Kostüm - international noch weitgehend einheitlich ist, gehen die landestypischen Usancen im Bereich Begrüßung oder bei den Tischmanieren schon sehr weit auseinander. Selbst innerhalb Europas gäbe es einige Unterschiede - beispielsweise beim passenden Zeitpunkt für eine Rede. "Während es bei uns üblich ist, Ansprachen zwischen Hauptgang und Dessert zu halten, werden diese in Südeuropa auf Grund der langen Essensdauer schon nach der Vorspeise gehalten", erklärt Elmayer. Auch bei der richtigen Verwendung des Löffels gibt es Landesunterschiede. Statt wie in Mitteleuropa üblich mit der Spitze wird beispielsweise in England der Löffel seitlich in den Mund genommen.

Wer zum Ende des Geschäftsessens die Rechnung übernehmen will, sollte sich vorher gut mit den gesellschaftlichen Regeln seines Gegenübers befasst haben. Sonst droht ein Tritt ins Fettnäpfchen. "So wäre es beispielsweise in der Türkei ein grober Fauxpas, als Gast bei einem Geschäftsessen den eigenen Teil der Rechnung zu übernehmen. Man würde damit den türkischen Gastgeber zutiefst beleidigen - und man würde mit ziemlicher Sicherheit bei diesem abblitzen", schildert der Unternehmensberater und Türkei-Experte Caglayan Caliskan.

Zu peinlichen Situationen kann es auch bei der Begrüßung kommen, denn nicht überall ist diese mit einem Handschlag verbunden. Man sollte bei der Begrüßung jedenfalls immer die Höflichkeitsform des Gastgebers wählen.

"Grundvoraussetzung, um im Ausland eine gute Figur zu machen, ist, die Sitten und Gebräuche des eigenen Landes sattelfest zu beherrschen", erklärt Elmayer. Er legt Managern daher nahe, zur Sicherheit einschlägige Kurse zu besuchen. Zusätzlich gibt es auch in der Außenwirtschaftsabteilung der Wirtschaftskammer Österreich umfangreiche Informationen über die Sitten und Gebräuche vieler Länder. In besonders heiklen Fällen rät Elmayer, sich an die Außenhandelsdelegierten des jeweiligen Landes zu wenden.

Chinesische Manager rüsten für Olympia

Um die richtigen Umgangsformen macht man sich auch in China anlässlich der Olympischen Spiele 2008 Gedanken. "Der Bedarf in China, westliche Benehmensformen zu erlernen, ist groß", erklärt der ehemalige chinesische Botschafter in Österreich, Lu Yonghua. Im Reich der Mitte seien lautes Sprechen oder öffentliches Ausspucken nach wie vor üblich. China möchte die bevorstehende Olympiade in Peking zum Anlass nehmen, europäische Verhaltensformen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. "Nicht zuletzt ist das Benehmen auch ein Akt der Völkerverständigung", betont Lu.