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Bequemlichkeits-TV

Von Andreas Rauschal

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Als letzte Errungenschaft im TV-Geschehen bisher gilt gemeinhin ein On-Demand-Angebot namens Mediathek. Nämliche entwertete den gemeinen Videorekorder im Otto-Normal-Haushalt zwar endgültig zu Elektroschrott, vor allem aber ermöglicht sie dem faulen Willi in uns heute, etwaige Versäumnisse bequem wieder aufzuholen. Anders als im echten Leben ("Mutter, wer ist der Mann in unserer Wohnung?" - "Schatz, das ist dein Vater!") ist es nun für immer nie zu spät, zumindest, wenn es um das Fernsehen geht. Unabhängigkeit von Raum und Zeit als TV gewordener Convenience-Shop der Marke 24/7. Die Klassiker des Herrenwitzes von Charly Wagner aus der Harald Schmidt Show schallen vor dem Gang ins Büro durch die Wohnung. Harald Schmidt selbst läuft später im Fall, dass die Chefin doch nicht im Haus weilt. Single-Männer haben Andi und Alex auf der Anrichte stehen, bevor das Date an die Tür klopft.

Charly Ploberger zupft mit uns Unkraut im Garten. Christa Kummer stellt uns Sonne in Aussicht, während wir längst schon im Regen stehen. Zum Vorteil der Holzmedien straft die "ZIB" vom Vortag den Sinnspruch Lügen, dass nichts älter sei als die Zeitung von gestern. Am Smartphone bummelt der 49er dank W24 zwischen Gürtel und Neubaugasse, wo wir gerade selber fahren - verrückt, das ist die Metabahn! Und besonders toll für alle Kinder über fünf Jahre, die nach dem KI.KA-Sendeplatz um 18.50 Uhr noch nicht schlafen gehen wollen: Der Sandmann kommt jetzt gerne auch später vorbei, um uns "Gute Nacht" zu sagen.