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BER - wenn Politik einen Grünflächenflughafen plant

Von denise-a. langner-urso

Gastkommentare

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Auf Biegen und Brechen muss durchgesetzt werden, was Politiker als


Lebensaufgabe betrachten, auf Teufel komm raus, egal, wie viele


Milliarden versenkt, wie viele Menschen betroffen sind. In Berlin muss


man dafür Kapital auf den Tisch legen, weil Menschen einfach nicht


hinnehmen wollen, dass sie weder am Tag noch in der Nacht Ruhe finden,


schließlich möchte niemand in einem Zelt mitten in der Einflugschneise


übernachten.


Noch etwas aber scheint man hinterhältig in Berlin einkalkuliert zu


haben, wegfallende Grünflächen, wegen akuter Wohnungsnot und anstehender


Neubauten. Schließlich müssen Städter irgendwo hausen. Also weg mit den


Grün- und Parkanlagen, Hauptsache irgendwo grün, planen wir doch den


Stadtpark auf dem Rollfeld. Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass


derweil ein Urwald in Schönefeld am Flughafen wuchert und Landungen und Starts zu behindern droht.


Die Welt titelt heute: Am BER wurden sogar 1000 Bäume falsch gepflanzt.


Klasse! Von 1036 inzwischen angewachsenen Bäumen müssen 600 jetzt


also wieder zu Spanplatten verarbeitet werden. Aber vielleicht glaubte


man ja, selbst eine Weihnachtsbaumplantage zu benötigen, um über den


Selbstverkauf wenigstens einen Teil der kosten decken zu können.


Vielleicht sind es aber auch Obstbäume, zur Eigenproduktion von Birnen-


oder Apfelsaft, die vielleicht den Flugverkehr demnächst behindern. In


Berlin weiß man nie, bei dem politischen Saftladen.


Wer einen Wald- und Wiesenflughafen will, wer an die Menschen denkt,


der hätte den Airport in Sperenberg geplant, wo zwischen 2000 - 4000


Menschen betroffen gewesen wären, in Berlin sind es je nach Sichtweise zwischen 60.000 und 150.000 Personen.


Aber der Berliner scheint geduldiger und stoischer zu sein, also


pflastern wir dort den Airport in die Landschaft, scheint man sich


gedacht zu haben. Die Berliner sind es gewöhnt, von oben herab


übertölpelt zu werden und werden all das widerspruchslos schlucken. Und


genau das scheint ja jetzt auch zu geschehen oder gibt es irgendwo in


der Stadt Bürgerproteste, die den Regierenden zum Rücktritt auffordern?


Pustekuchen, Berlin ist nicht Stuttgart.


Um es polemisch zu sagen: wir Deutschen, und ja, ich verallgemeinere


ganz bewusst, sind viel zu bequem um etwas ändern zu wollen, uns ist ja


schon der Gang ins Wahllokal zu weit. Wobei derzeit eigentlich wir


dämliche Schafherde wirklich aufwachen und SPD und CDU auf die


Oppositionsbänke wählen müssten. Schlimmer kann es nicht mehr kommen,


nicht einmal wenn hier Die Linke gemeinsam mit den Piraten und


vielleicht der Grünen das Land regieren würde. Und in einer Wahlperiode


könnten unsere sich so sicher im Sattel fühlenden schwarz-roten


Politiker einmal überlegen, ob man demnächst für das Volk oder wieder


selbstherrlich über es hinweg regieren möchte wie jetzt. Zeit dafür


anders zu wählen um ein Zeichen zu setzen wäre es in jedem Falle.


Oder läuft am Wahltag wieder ein wichtiges Fußballspiel, das uns


daran hindert, den Fernsehsessel zu räumen? Ach nein, bestimmt wird es


wieder das Wetter sein, zu kalt, zu nass, zu warm. Und dann ist uns


wirklich nicht mehr zu helfen, jedenfalls nicht bei der eingeschränkten


Personalauswahl ...


Und was uns Berliner und unseren Sonnenkönig Wowereit betrifft sagen


wir eben schon jetzt vorsorglich: Is Schnurzwurschtpiepe, bleiben in der


warmen Stube hocken, lachen uns schlapp und pöbeln allenfalls und wenn


und jemand unsere Schrippen in Wecken oder Brötchen umbenennen will ...


 





©denise-a.


langner-urso/menschenzeitung