Zum Hauptinhalt springen

Berlakovich: "Nicht vor dem Schlusspfiff aufgeben"

Von WZ-Korrespondent Wolfgang Tucek

Europaarchiv

Zentrale Fragen vor Klimatreffen noch unbeantwortet. | Streit um Wald, Finanzierung, Emissionsrechte. | Brüssel. Nur zwei Wochen vor der Weltklimakonferenz in Kopenhagen sind Kernfragen für ein neues internationales Klimaschutzabkommen noch völlig offen. Beim Sondertreffen der EU-Umweltminister änderte der Uno-Klimaschutzbeauftragte Ivo de Boer seine Verhandlungstaktik: "Wir können und müssen eine Vereinbarung erreichen", sagte er. Die Gruppe jener Länder, welche konkrete Ziele für die Verringerung der Treibhausgasemissionen auf den Tisch legen, vergrößere sich. Bisher hatte De Boer die Erwartungen stets heruntergespielt.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 14 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Auf Durchhalteparolen verlegte sich auch der österreichische Umweltminister Niki Berlakovich. Wie beim Fußball sei das Spiel erst zu Ende, wenn der Schlusspfiff erfolge, meinte er. "Wenn wir schon 15 Minuten vorher aufgeben, ist das Spiel bereits verloren." Als ermutigend strich er hervor, dass inzwischen auch Südkorea eine Reduktion von 30 Prozent CO2-Äquivalenten und Brasilien 36 bis 39 Prozent zugesagt hätten.

Als Erfolg wird allgemein die Zusage des russischen Präsidenten Dmtri Medwedew gewertet, bis zu 25 Prozent der Emissionen bis 2020 einzusparen. Allerdings ist die russische Ankündigung mit Vorsicht zu genießen. Denn Russland hat noch große Mengen an Verschmutzungsrechten aus der Kyoto-Periode bis 2012 übrig, die es für die Zeit danach weiter verwenden will. Zudem möchte es sich seine riesigen Waldflächen anrechnen lassen, weil dort Unmengen CO2 gebunden seien.

Beides bringt die EU in eine Zwickmühle. Denn ihre Kyoto-Verschmutzungsrechte wollen auch die neuen Mitgliedsländer im Osten behalten, was die Klimaschutzziele durchaus torpedieren könnte. Einen Gegenwert von 2000 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten sollen sie noch übrig haben, etwa 800 Millionen Tonnen hätten die Russen noch. Grund dafür sind Fehleinschätzungen bei der Zuteilung vor zehn Jahren. Zum Vergleich: Österreich emittiert pro Jahr um die 85 Millionen Tonnen. Die Regierung in Wien will dafür wie Schweden und Finnland eine Art Waldbonus.

Offen blieb auch der Anteil der EU an der Finanzierung der Klimaschutzkosten für die Entwicklungsländer; 22 bis 50 Milliarden Euro müssen die Industrieländer nach Kommissionsangaben bis 2020 springen lassen.

Hier forderte De Boer ebenso Klarstellungen von der EU wie bei den Bedingungen, unter denen das Reduktionsziel von 20 Prozent weniger Treibhausgase bis 2020 auf 30 Prozent aufgestockt würde. Dass er China "Anzeichen einer Führungsrolle" beim Klimaschutz bescheinigte, wird eher als Teil seiner neuen Verhandlungstaktik eingeschätzt. Denn von China und Indien seien Angebote noch ausständig, so Berlakovich.