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Berlin pervers - Das Schicksal einer Rentnerin

Von denise-a. langner-urso

Gastkommentare

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Die Rentnerin ist zu einer Institution geworden, jeder Anwohner kennt
sie, und während sie auf Kunden wartet, sitzt die alte Dame auf ihrem
Klappstuhl und strickt Socken. Die Socken verschenkt sie an nette
Kunden.
Emma hat mehr als 40 Jahre in das Rentensystem eingezahlt, hat sich
als Krankenschwester ihren Lebensunterhalt verdient. Bis sie diesen
Beruf wegen eines kaputten Rückens einfach irgendwann nicht mehr ausüben
konnte. Sie kann auch nicht mehr den ganzen Tag stehen, in ihrem Alter
und mit dem kaputten Rücken unmöglich, verständlich. Um nicht abhängig
sein zu müssen verdient sie sich zu ihrer Hungerrente von 550 Euro so
das hinzu, was ihr ihre Unabhängigkeit bewahrt.
Die Dame aus Kasachstan kam ursprünglich nach Berlin, um ihre
erkrankte Schwester zu pflegen, das ist jetzt 9 Jahre her. Jetzt ist sie
ganz allein, denn ihre Angehörige ist inzwischen verstorben. Die alte
Dame lebt in einer kleinen Wohnung, die so gut wie total ihre Rente
auffrisst, 450 Euro kostet diese, wie die Berliner Zeitung berichtet. Und weiter wird erzählt, dass sie aus dem Verkauf um die 4 Euro am Tag für sich verdient. Mager genug!
Jetzt aber kann es vielleicht selbst mit diesem geringen
Zusatzverdienst bald vorbei sein, denn jemand hat die alte Dame
angezeigt. Die Polizei war schon bei ihr, wollte ihre Gewerbeerlaubnis
sehen, und auch das Ordnungsamt ist eingeschaltet.
Sie hat zwar eine Gewerbeerlaubnis, das Sitzen aber soll ihr jetzt
von Amts wegen verboten werden, denn dafür benötigt man vom Ordnungsamt
eine Straßensondernutzungserlaubnis , die auch wieder 100 Euro im Jahr
kosten würde, und zudem sei die Brücke so schmal, dass es dafür ohnehin
keine Erlaubnis geben würde.
Wie ein Lauffeuer hat sich derweil das Schicksal der Rentnerin bei
den Anwohnern herumgesprochen, die jetzt Unterschriften sammeln, damit
die alte Dame nach wie vor auf der Admiralbrücke ihren kleinen
Zeitungsstand im Sitzen betreiben und dort bleiben darf, und auch der
Stadtrat Peter Beckers (SPD) hat sich inzwischen eingeschaltet und ist
der Ansicht, er werde alles versuchen, damit die Rentnerin für ihren
Standort eine Duldung aus sozialen Gründen erhält.
Jener aber, der eine solche Rentnerin auch noch anschwärzt, der soll
sich gefälligst schämen, man kann nur hoffen, dass es ihm nicht auch
irgendwann so schlecht ergeht wie dieser tapferen alten Dame, die nicht
einmal dem Sozialstaat auf der Tasche liegen will, was schließlich ihr
gutes Recht wäre. Was ist das nur für eine eiskalte perverse Stadt
geworden, wo man einerseits Millionen an einem Flughafen versenkt und
auf der anderen Seite so mit Menschen umgeht, die ihr ganzes Leben lang
für andere sich den Rücken kaputt gearbeitet haben?! Das ist pore
Menschenverachtung, wen man Rentner so behandelt, widerwärtig, einfach
ekelhaft!
Am perversesten aber ist wohl, dass die alte Dame einen Halbtagsjob
ausübt, für den sie sage und schreibe 4 Euro am Tag verdient, denn sie
sitzt dort von 9-14 Uhr, täglich. Ich nenne so etwas Sklavenarbeit!
©denise-a. langner-urso/menschenzeitung.de