Zum Hauptinhalt springen

Berlusconi gibt sich unbesorgt

Von Rainer Mayerhofer

Europaarchiv

Details aus den Vernehmungs- protokollen belasten den Premier. | Berlusconi schlug die Geschichte von Mubaraks Nichte vor. | Rom. "Ich bin unbesorgt, die Lega Nord steht hinter mir", gab sich Italiens Premier Silvio Berlusconi am Mittwoch unbesorgt. Die am Dienstag von der Mailänder Staatsanwaltschaft gemachten Ankündigung, gegen ihn ab 6. April ein Verfahren wegen Amtsmissbrauchs und Begünstigung der Prostitution mit Minderjährigen zu führen, kommentierte Berlusconi nicht.


Zuvor hatte Oppositionschef Pierluigi Bersani von der Demokratischen Partei der Lega Nord angeboten, das föderalistische Programm - ein Hauptanliegen von Umberto Bossi und Co - im Parlament durchzubringen, wenn sich die Lega zuvor von Berlusconi trennt und damit die Regierung stürzt.

Berlusconi sagte, dass er sich mit Bossi und seinem Generalstab den ganzen Dienstagabend über darauf verständigt habe, die Legislaturperiode zu Ende zu führen.

Zuvor hatte Berlusconi mit seinen engsten Mitarbeitern und Anwälten die Lage besprochen. Dabei wurden auch die drei Richterinnen durchleuchtet, die den Prozess gegen Berlusconi führen sollen. Deren bisherige Amtsführung deute darauf hin, dass sie ein "harter Knochen" sein werden. Berlusconi befürchtet auch, dass er beim G8-Gipfel am 24. Mai in Deauville im Fall einer Verurteilung von seinen Amtskollegen wie "irgendein Lukaschenko" behandelt werden könnte, schreibt die Zeitung "La Repubblica".

Berlusconi befürchtet, dass er in den kommenden Wochen angesichts von vier Prozessen jede Woche vor Gericht erscheinen muss. Den Richtern wirft er vor: "Sie wollen Italien in einen Gerichtssaal verwandeln, um mich physisch am Regieren zu hindern."

Unterdessen sind Einzelheiten aus den Vernehmungen von Karima El Mahroug - alias Ruby - und Nicole Minetti bekanntgeworden, die Berlusconi erheblich belasten.

Berlusconi rief mehrere Male aus Paris an

Minetti, eine Regionalabgeordnete der Berlusconi- Partei in der Lombardei sagte aus, dass sie in der Nacht vom 27. auf den 28. Mai, als sie Ruby aus der Polizeihaft holte, mehrmals mit Berlusconi telefonierte, der sich an diesem Tag in Paris befand. Minetti will aber nichts von ausschweifenden Partys in der Residenz Berlusconis in Arcore bemerkt haben.

Ruby selbst, die Berlusconi erstmals am 14. Februar 2010 präsentiert wurde, hat bei diesem ersten Treffen von ihm 50.000 Euro erhalten. Sie habe ihm damals gesagt, sie sei 24 und stamme aus Ägypten, gab sie zu Protokoll und dass sie allein mit ihm in ein Zimmer gegangen sei, wo zwar nicht über sexuelle Beziehungen gesprochen worden sei, es für sie aber nicht schwierig gewesen sei, zu verstehen, dass er ihr vorschlug, Sex mit ihm zu haben. Bis zum 2. Mai verbrachte Ruby 15 Nächte in Berlusconis Residenz. Aus dem Telefonregister lassen sich auch 67 telefonische Kontakte mit dem Premier nachvollziehen.

Als ihr der Regierungschef eine Wohnung in Mailand anbot - mit bezahlter Miete für fünf Jahre -, habe sie ihm aber sagen müssen, dass sie minderjährig sei und keine Dokumente habe. Da habe ihr Berlusconi dann vorgeschlagen, sie solle sagen, eine Nichte Hosni Mubaraks zu sein. Damit könne man auch die Mittel rechtfertigen, die er ihr zur Verfügung stellte.