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Berlusconi ist da - und so auch wieder die Messina-Brücke

Von Hanns-Jochen Kaffsack

Europaarchiv

Lieblingsprojekt wird weiter verfolgt. | Mafia reibt sich schon die Hände. | Rom. (dpa) Zwei Jahre lang hat Silvio Berlusconi zusehen müssen, wie sein Lieblingsprojekt - die längste Hängebrücke der Welt - in Vergessenheit geriet. Kaum ist der Politiker in Rom an die Macht zurückgekehrt, hat der Milliarden-Plan, eine Brücke über die Meerenge von Kalabrien nach Sizilien zu bauen, sofort wieder Vorrang: In zwei Jahren soll der erste Stein für die "Ponte sulle Stretto", von Befürwortern auch "das achte Weltwunder" genannt, in Süditalien gesetzt werden.


Und 2016 müsste dann fertig sein, was die Golden-Gate-Bridge in den Schatten stellt und höher ist als der Eiffelturm - fast vier Kilometer lang, sechs Milliarden Euro teuer, für 6000 Fahrzeuge stündlich sowie 200 Züge am Tag. Die Baumeister der Mafia reiben sich bereits die Hände, sagen Kritiker.

Geträumt von einer Brücke nach Sizilien hatten schon die alten Römer, und auch Benito Mussolini wollte die Sache angehen. Mehrere italienische Nachkriegsregierungen scheiterten an diesem Projekt der Superlative, das Gegner für eine ungeheure Geldverschwendung halten: Die größte italienische Insel verliere ihren Charakter, auch sollte eher ins marode Verkehrsnetz der immer noch ärmlichen Stiefelspitze investiert werden. Doch der Infrastruktur-Minister Altero Matteoli hat nicht nur bereits vorgegeben, wann der Verkehr über das Bauwerk rollen soll. Er argumentiert auch unbeirrt: "Es ist ein Versprechen aus dem Wahlkampf."

Im "stop and go" geht es seit sechs Jahren um das Wunderwerk, das Erdbeben der Stärke 7,1 standhalten und mit einer Spannweite von 3300 Metern auch die japanische Akashi-Kaikyo-Brücke übertreffen soll - die mit 1991 Metern bisher längste Hängekonstruktion. 2002 machte Berlusconi, damals seit einem Jahr wieder an der Macht, mit einem Dekret Dampf. Der erste Spatenstich wurde für 2006 angekündigt. Doch dann wurde Berlusconi als Regierungschef in Rom abgewählt. Sein Nachfolger Romano Prodi legte kurzerhand auf Eis, was Kritiker schon "Berlusconi-Denkmal" nannten.

Verträge noch gültig

Nun will eine finanzkräftige saudi-arabische Gruppe in italienische Infrastrukturprojekte investieren, auch in die Messina-Brücke. Die für Jahre zur Seite gelegten Verträge sind noch gültig, und die Regierung will einen Staatssekretär abstellen, der das Milliardenvorhaben überwachen muss.