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Berufsbedingte Mobilität im Steigen: Hohe Ausgaben für Geschäftsreisen

Von Peter Kantor

Wirtschaft

Geschäftsreisen sind weiter im Steigen begriffen. "Für ihre gesamte berufsbedingte Mobilität geben Unternehmen und der öffentliche Sektor in Deutschland jedes Jahr über 120 Mrd. Euro aus", erklärte Michael Kirnberger, Präsident des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) bei einer Tagung von Reisemanagern in München. Diese Summe entspreche etwa der Hälfte der Ausgaben im Bundeshaushalt 2003, nannte Kirnberger eine vergleichbare Größenordnung.


Geschäftsreisen schaffen und sichern dabei ganzjährig Arbeitsplätze und finanzieren touristische Strukturen, betonte Kirnberger. In kleineren Organisationseinheiten, insbesondere im öffentlichen Sektor, werden die Sparmöglichkeiten aber oft nicht genug genutzt, sie müssen engagierter wahrgenommen werden, etwa durch gezielte Weiterbildung.

Allein für Geschäftsreisen gaben im Jahr 2003 über 8 Millionen Reisende mehr als 54 Mrd. Euro aus, private Nebenausgaben nicht miteingerechnet, heißt es in der "VDR-Geschäftsreiseanalyse 2004". Dieser Betrag übersteigt die Urlaubsreiseausgaben der Deutschen. Rechnet man die Kosten von Kleinstbetrieben sowie die Ausgaben für Dienst-Pkw, Firmenveranstaltungen (mit Reisetätigkeit) und Mobilfunk hinzu, betragen die Kosten für wirtschaftlich bedingte Mobilität 124,5 Mrd. Euro.

Während Urlaubsreisen kürzer werden, sind Geschäftsreisen mit mehr Übernachtungen als im Jahr 2002 verbunden. Tendenziell werden zwar weniger Geschäftsreisen unternommen, aber wer reist, ist länger und öfter unterwegs. Deutlich gestiegen ist der Anteil von Geschäftsreisen, die ins Ausland führen. Bei interkontinentalen Zielen registrierte der VDR sogar eine Verdopplung.

Kirnberger kritisiert, dass sich die Einsicht, dass Geschäftsreisekosten durch professionelles Travel Management gesenkt werden können, noch immer kaum durchgesetzt habe. Die falschen "Patentrezepte" lauten "weniger reisen" und "schlechter reisen". Nur jeder zehnte Betrieb strebe den Sparerfolg über Vertragsverhandlungen an. "Fast ein Fünftel aller Befragten unternimmt nichts, um Geschäftsreisekosten zu senken. Travel Management ist kein strategisches Geschäftsfeld, doch es unterstützt strategisch die eigentliche Geschäftstätigkeit der Unternehmen", betonte Kirnberger.

Geschäftsreisen intelligent zu managen, erfordere exzellentes Know-how. Schon im Eigeninteresse sollten Unternehmen und Betriebe des öffentlichen Sektors ihre entsprechenden Mitarbeiter zum "Certified Travel Manager" qualifizieren.

Der VDR-Analyse zufolge dürfte die Bedeutung von Geschäftsreisen in der Zukunft noch weiter zunehmen. Bis Ende des Jahres 2005 rechnen zwei von fünf in der VDR-Analyse befragten Unternehmen mit einem steigenden Aufwand für Geschäftsreisen. Etwa der gleiche Anteil geht von stabilen Kosten für Geschäftsreisen aus.