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Berufsbild "Allparteilichkeit"

Von Konstanze Walther

Wirtschaft

Psychologie unterstützt Fachwissen. | Parteien finden selbst eine Lösung. | Wien. Konflikte gibt es sonder Zahl; und wenn die Betreffenden nicht mehr miteinander reden können, führt der herkömmliche Weg oft vor den Richter: Der entscheidet als außen stehender Dritter, was rechtens ist, die Konfliktparteien gehen danach meist getrennte Wege.


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Falls man aber die Lösung lieber selbst erarbeiten möchte bzw. in Zukunft noch miteinander auskommen muss, kann das Problem oft auch mit Hilfe eines Mediators beigelegt werden, der zwischen den Streitenden vermittelt. Und zum Richter kann man nachher noch immer gehen: Beschäftigt man einen "eingetragenen" Mediator, dann werden außerdem die gerichtlichen Fristen für die Dauer des Mediationsverfahrens gehemmt.

Nicht nur bei Konflikten im Arbeitsumfeld oder bei Scheidungen erscheint eine Mediation sinnvoll: Vergangene Woche machte der Wiener Bürgermeister Michael Häupl den Vorschlag, auf diese Weise den Konflikt zwischen Anrainern um einen potentiellen Garagenbau am Neuen Markt im ersten Bezirk zu befrieden.

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Kein bloßer Moderator

"Es gibt verschiedene Konfliktstufen", weiß der eingetragene Mediator Helmut Peltz. "Ein bloßes Verhärten der Standpunkte ist unter Umständen noch mit einem Moderator, der nur die Diskussion leitet, aufzulösen." Für darüber hinausgehende Konflikte ist der Mediator zuständig: "Wenn die Gegner bereits Taten statt Worte setzen, reicht es nicht mehr, nur zu moderieren. Der Mediator kann da aufgrund seiner Ausbildung, die auch psychologische Einheiten umfasst, der Situation angepasste Interventionen einsetzen", hebt Helmut Peltz hervor.

Hilfe zur Selbsthilfe

Der Mediator selbst darf keine Vorschläge zur Klärung der Lage bringen. Seine Aufgabe ist, den Parteien innerhalb eines strukturierten Prozesses zu helfen, dass sie ihrerseits Lösungsansätze finden. Er soll aber für das Konfliktthema Verständnis haben, um die richtigen Fragen in der richtigen Sprache der Teilnehmer stellen zu können. Tipps darf er aber nicht geben. "Die laufen zwangsläufig auf den Vorteil einer Seite hinaus", betont Peltz. Denn der Mediator ist zur unbedingten Neutralität und "Allparteilichkeit" verpflichtet: Die Konfliktpartner sollen sich auf gleicher Augenhöhe und unter den gleichen Voraussetzungen treffen; derselbe Informationsstand muss gewährleistet sein, deswegen sind Einzelgespräche mit den Beteiligten nur in Ausnahmefällen durchzuführen und eigentlich nur "im Vorfeld, bevor der Mediationsvertrag abgeschlossen wird zweckmäßig", erklärt der Wirtschaftsmediator.

Viele Einsatzgebiete

Das Einsatzgebiet der Mediation ist vielfältig: im außergerichtlichen Tatausgleich (bei leichten und mittelschweren Fällen im Strafrecht), bei Scheidungen und im Behindertengleichstellungsgesetz sowie in den Feldern des Zivilrechts (Nachbarschaft, Bauwesen, Umweltthemen) und des Arbeitsrechts. Auch innerhalb und zwischen Unternehmen gewinnt die Methode, zunehmend an Ansehen, nicht zuletzt aufgrund des Gesetzes über Mediation in Zivilrechtssachen. "Österreich hat hier eine Vorreiterrolle", freut sich Peltz, denn das Regelwerk normiert als einziges im EU-Raum sowohl die Ausbildung als auch die Pflichten und Rechte der Mediatoren. Wer die vorgesehene Ausbildung durchläuft, hat einen Rechtsanspruch sich als Mediator auf die im Justizministerium aufliegende Liste eintragen zu lassen. Als echte Alternative zu einem Gerichtsprozess wird die Mediation aber noch nicht angenommen: Laut Justizministerium sind die Zahlen der Gerichtsverfahren nicht signifikant zurückgegangen.