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Besessen im besten Wortsinn

Von Anton Silhan

Wissen

Da war sie wieder, die unvergleichliche Stimme von Axel Corti: zu den Feiertagen schon im Radio, auf Ö1, und nun im Film. ORF 2 (Sonntag) und arte (gestern) würdigten mit einem koproduzierten Porträt Leben und Werk von Axel Corti zu seinem zehnten Todestag am 29. Dezember: "Warst du Axel Corti?" Der Titel, einer Frage des Rabbi Hillel aus dem letzten legendären Radio-"Schalldämpfer" Axel Cortis entlehnt, weist auf die Absicht einer Prüfung hin: des Lebens, der Person. Beide, Corti-Kenner wissen es, halten nur allzu leicht stand. Der kritische Geist hat es sich nie bequem gemacht im Leben, nicht in der künstlerischen Arbeit, nicht im Leben. Er war ein Besessener im besten Wortsinn; dort, wo es um Qualität ging oder auch um das, was man später politische Korrektheit nennen sollte.

Für seinen letzten großen Wurf, die Roth-Verfilmung "Radetzkymarsch", hat Corti sich buchstäblich aufgeopfert. Trotz schwerer Krankheit hat er, erzählte Cecily Corti in ihren Erinnerungen, mit hohem Fieber weiter gedreht. Dass er es nicht mehr ganz geschafft hat, hat den Perfektionisten Corti wohl verzagt hinübergehen lassen in das andere Reich. Wenn er auch die Fertigstellung der Trilogie bei Kameramann Gernot Roll in guten Händen wusste. Das Porträt ging natürlich auch auf die Entstehung der Emigranten-Triologie "Wohin und zurück" ein, ließ Corti-Freund und -Arbeitspartner Georg Stefan Troller zu Wort kommen und beleuchtete den Film "Franz Jägerstätter" über den Kriegsdienstverweigerer, eines der verdienstvollsten Werke Cortis, in dem er einem der wahren österreichischen Helden ein Denkmal setzte.