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Besessen von der Schönheit

Von Judith Schmitzberger

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"Ich genieße Kunst. Ich liebe solche Kunstwerke. Ich sammelte sie und behielt sie zu Hause." So soll sich einer der berühmtesten Kunstdiebe, Stéphane Breitwieser, bei seiner Gerichtsverhandlung verteidigt haben. Der Franzose stahl in den Jahren 1995 bis 2001 über 200 Ausstellungsstücke im Wert von etlichen Millionen Euro. Zum Verkauf angeboten hat er sie nicht, er stahl sie zur eigenen Ergötzung, aus einer nicht zu zügelnden Leidenschaft für die Schönheit der Kunst - was er in seinem autobiografischen Buch "Bekenntnisse eines Kunstdiebes" später detailliert darlegte.


Nun sind im Pariser Museum für moderne Kunst fünf Werke im Wert von 90 Millionen Euro geraubt worden. Ob auch hier ein Raub aus Liebhaberei vorliegt, bleibt abzuwarten. Als Wertanlage eignet sich eine solche Aktion nicht, denn die Bilder sind - öffentlich - nicht verkaufbar. Geld ließe sich dennoch mit ihnen machen, durch Erpressung etwa. Denn die Herausgabe der Gemälde könnte Versicherungen einiges wert sein. Auch der Auftrag für ein Wohnzimmer in der Abgeschiedenheit eines Landhauses ist denkbar. Dass Leidenschaft für die Kunst den Raub motiviert hat, ist der idealistischste Erklärungsversuch. Doch das Leben ist bekanntlich banal. Wie man in Wien spätestens seit dem Diebstahl der Saliera weiß - einer spontanen Aktion nach einer Disco-Nacht.

Kunstdiebstahl wie nach Drehbuch