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Besonnener Jurist mobilisierte nicht

Von Klaus Huhold

Europaarchiv

Steinmeier liegt die Rolle des Volkstribuns nicht. | Westfale stand in der SPD lange im Schatten Schröders. | Berlin/Wien. Für Frank-Walter Steinmeier war dieser Wahlkampf eine verpatzte Premiere: Noch nie musste der 53-Jährige an vorderster Front um die Stimmen der Wähler buhlen. Nun bei seinem ersten Antreten als bundesweiter SPD-Spitzenkandidat setzte es gleich ein Debakel und das schlechteste Ergebnis der Sozialdemokraten in der Nachkriegszeit.


Die akribische Jurist hat sich zunächst im Hintergrund in der SPD hochgearbeitet. Dabei ist seine Karriere untrennbar mit einem Namen verquickt: Gerhard Schröder. Steinmeier diente dem Ex-Kanzler jahrelang als Staatssekretär und Chef des Kanzerleramts.

Schröder war Steinmeiers Mentor, und doch sind die beiden vollkommen unterschiedlich: Während Schröder im Wahlkampf auch gerne holzte und Frontalangriffe gegen politische Gegner ritt, zeigte sich Steinmeier viel zurückhaltender und bedächtiger. Nur manchmal krempelte er in den vergangen Wochen die Hemdsärmel hoch und ließ seine Stimme röhren, dass sein Auftreten frappant an Schröder erinnerte. Doch wirkte Steinmeier dabei wie eine Kopie. Was er in diesem Wahlkampf auch versuchte, er konnte nicht mobilisieren.

Die Rolle des Volkstribuns liegt Steinmeier weniger als die des sachlichen Diskutanten und des Strippenziehers im Hintergrund. Als er von 1999 bis 2005 Schröders Kanzleramtschef war, wurde er parteiintern gerne "seine Effizienz" genannt. Steinmeier war federführend an der "Agenda 2010" beteiligt, die innerhalb der SPD wegen der damit verbundenen sozialen Einschnitte bis heute umstritten ist.

Gang in Opposition

Mit dem Beginn der großen Koalition wurde er 2005 Außenminister, 2007 wurde der Sohn eines Tischlers dann zudem Vizekanzler.

Nun wird Steinmeier den Gang in die Opposition antreten müssen. Er kündigte an, trotz dieser schweren Niederlage die SPD weiter anführen zu wollen. Eine Konstante wird in seinem Leben bleiben: Seine Frau verriet, dass ihr Mann immer mit ihr und seiner 13-jährigen Tochter frühstücken müsse. Egal, wann er bei all seinen Terminen nach Hause kommt.