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Besser als das Original

Von Sabine Ertl

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Pflichttermin am Sonntagnachmittag sind die "Menschenbilder" auf Ö1. Mit neuer und runder Beginnzeit um 14.05 liefert die Sendereihe Woche für Woche ein Tribut an besondere Menschen, ihr Leben, ihr Schaffen und ihre Erlebnisse. Dabei ist die Menschenbilder-Landschaft überaus heterogen. Alleine im Jänner gab es den Journalisten Herbert Riehl-Heyse, die Hüttenwirtin Kathi Steiner und den Humanisten Rupert Neudeck. So betrat auch am Sonntag ein wahres Sprechgenie die Bühne des Hörgenusses: Christian Brückner.

Besser bekannt ist Brückner als "Die Stimme". Wohl gesegnet mit einer unverkennbaren Stimme, sprachlichem Vermögen samt schauspielerischer Fantasie, gilt er als "Der Sprecher" im deutschen Sprachraum. Kurzum: Er ist allgegenwärtig (was ihm auch in den Menschenbildern zu beweisen nicht schwer fiel) und sich seiner Intensität wohl bewusst: Denn er alleine ist die "Personalunion" eines Robert de Niro und Harvey Keitel samt Alain Delon in der deutschen Synchronfassung. Und wer Robert de Niro im O-Ton kennt, findet Brückner sogar besser. Er ist vielseitig (eine Unzahl von Hörbüchern leben mit seiner Stimme) und wird entsprechend massenmedial wie flächendeckend vermarktet (ohne Anzeichen von inflationärer Glaubwürdigkeit). Als Kultobjekt (jawohl, es gibt tatsächlich "Brücknersüchtige") wusste er den Ö1-Hörer mit volltonigem Wohlklang zu verwöhnen. Anklingen ließ er mitunter lakonische Solopartien (sein Geheimnis sind die wohldosierten Pausen). Zwar schien die Sendezeit knapp, doch ist ein Hörerlebnis à la Brückner jederzeit und garantiert ohne Nebenwirkungen im Handel erhältlich.