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"Besser ein guter Sozi als ein schlechter Strache"

Von Walter Hämmerle

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Echte Landeshauptleute halten zusammen: Michael Häupl darf sich über Wahlhilfe von unerwarteter Seite freuen.


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"Besser ein guter Sozi als ein schlechter Strache, das sage ich mit Leidenschaft allen Wienerinnen und Wienern."

Also sprach Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler in die Kameras, als er voriges Wochenende am Wörthersee nicht nur auf die Wiener Jeunesse dorée, sondern auch auf Heinz-Christian Strache traf. ATV-Society-Mann Dominic Heinzl brauchte nur die Kamera drauf- und das Mikrofon hinzuhalten - Strache und Dörfler boten ihm einen verbalen Schlagabtausch, der an persönlichen Untergriffen keine Wünsche offen ließ.

Von der Wahlempfehlung des Kärntner Landeshauptmanns für seinen SPÖ-Kollegen Michael Häupl zeigt sich allerdings das Wiener BZÖ höchst irritiert. Eine solche "kann nur aufgrund von Unkenntnis über die Situation in der Bundeshauptstadt entstanden sein", vermuten die Wiener Orangen. Weshalb sie für den Kärntner Parteifreund Dörfler nun "sehr gerne eine Wien-Führung der realistischen Art" organisieren wollen.

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Die Herzen der Partei vermochte Werner Faymann nicht zu erobern in seinem ersten Jahr an der Spitze der SPÖ; dieses geht heute, Freitag, zu Ende. Das war allerdings auch gar nicht notwendig, lautete der Auftrag an den 49-jährigen Wiener damals doch schlicht, die Macht für seine Partei zu retten. Vorzeitige Neuwahlen waren da schon von der ÖVP ausgerufen und für Ende September terminisiert.

Faymann erfüllte diesen innigsten aller Parteiwünsche - und die SPÖ dankt es ihm bis heute mit einer unter Alfred Gusenbauer unvorstellbaren Loyalität angesichts der dazwischenliegenden, sagen wir ernüchternden Wahlergebnisse. Im Gegenzug verhalf der nüchterne Machttechniker Faymann den Gewerkschaftern wieder zu ihrem angestammten Platz im Zentrum der SPÖ. Imagemäßig gibt sich Faymann - unter tatkräftiger Mithilfe des Wiener Boulevards - betont bodenständig. Sündhaft teure Rotweine und kubanische Zigarren wurden seitdem jedenfalls im Kanzleramt nicht mehr gesehen.

In der Regierung wird dem offiziellen Kanzler-Harmoniegebot zum Trotz zwar weiterhin gestritten, aber wenigstens hinter verschlossenen Türen. Und auch an der Lust zum kleinen Foul unter Koalitionsfreunden hat sich wenig geändert - wie man fast tagtäglich den Medien entnehmen kann.