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Besser köpfeln als wischen

Von Christoph Rella

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Wie der britische "Telegraph" am Montag berichtete, sollen also Kopfballübungen für Kinder im Grundschulalter verboten werden. Der englische und der schottische Fußballverband haben sich für diese Vorsichtsmaßnahme ausgesprochen, "um das Risiko von Hirnverletzungen zu mindern", wie es heißt. Um die Gefahren des allzu eifrigen Kopfballspiels zu verdeutlichen, wurde eine Studie präsentiert, wonach Fußballer im Vergleich zur Gesamtbevölkerung Großbritanniens mit einer 3,5 Mal höheren Wahrscheinlichkeit an einer Hirnkrankheit sterben. Demnach liege der Faktor bei Demenz bei 3,45, bei Alzheimer sogar bei 4,4. Geht es nach den Verbänden, könnte das Verbot bereits am Samstag im FA-Board beschlossen werden.

Nun ist die Idee, die Kinder vor Schäden zu schützen, gewiss sehr nobel, allerdings hätten sich die Funktionäre anderer Studien bedienen können, um ihr Begehr zu untermauern. Immerhin liefert die Untersuchung keinen Hinweis auf eine Erkrankungsursache im Kindesalter, schließlich passieren viele ernsthafte Hirnverletzungen auch im Profibetrieb, etwa bei Kollisionen, Kopfballduellen und vor allem bei der Annahme von Abstößen des Tormanns. Nur lassen sich solche "Treffer" oft nicht verhindern und tragen eben nicht gerade zur Gesundheit des Kickers bei.

Dabei ist es so: Der Kopfball gehört zum Fußball dazu wie der Elfmeter. Er macht das Spiel erst interessant, unberechenbar und schnell, weswegen es auch ein gutes Training braucht, das trotz aller Bedenken durchaus auch schon im Volksschulalter starten könnte. Statt des Lederballes genügt hier ein Plastikball und die Regel, keine weitfliegenden Bälle per Kopf anzunehmen. Außerdem gilt: Besser, die Kinder spielen Fußball und köpfeln (leichte) Bälle, als sie hängen stundenlang am Smartphone. Die Gefahr eines Hirnschadens ist hier nicht weniger gegeben.