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Besser Nadel-als Zeckenstich

Von Hans Polyak

Wissen

In der Vorwoche ließ die Meldung aufhorchen, dass die durch einen Zeckenbiss verursachten FSME-Krankheitsfälle im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind. Die "Wiener Zeitung" sprach aus diesem Grund mit Christine Freund, Geschäftsführerin der Selbsthilfegruppe "Zeckenopfer".


Waren im gesamten Vorjahr 60 Zeckenopfer zu beklagen, so sind heuer bis Ende Juli bereits 65 FSME-Erkrankungen registriert worden. "Dieser Anstieg stimmt uns nachdenklich, zumal wir in den letzten Jahren einen drastischen Rückgang der FSME-Fälle verzeichnen konnten. Innerhalb von zwei Jahrzehnten reduzierten sich die Erkrankungen auf ein Zehntel", so Christine Freund.

Spitzenreiter mit 21 Erkrankungen ist die Steiermark, gefolgt von Oberösterreich mit elf FSME-Fällen. Was sind nun die Ursachen dieses "Aufschwungs"; ist es die derzeitige Wettersituation?

"Die jetzige Hitzewelle allein dafür verantwortlich zu machen, wäre zu einfach. Es gibt leider noch immer Personen, die nicht geimpft sind oder auf die Auffrischungsimpfungen vergessen. Die Einstellung, mir wird schon nichts passieren, ist leider noch immer gegeben. Außerdem werden die sogenannten passiven Immunisierungsimpfungen nach dem Zeckenstich heuer nicht mehr durchgeführt, weil sie lediglich eine Schutzwirkung von 60 Prozent zur Folge haben", so Freund, die auch mit einem weiteren Vorurteil aufräumt: "Es ist nicht richtig, dass nur große Zecken die Krankheit verursachen können. Jede Zecke, sofern sie Virusträger ist, überträgt durch ihren Stich den Virus."

Daher zieht Christine Freund den Nadelstich vor. "Eine Lappalie im Gegensatz zu den Krankheiten, die ein Zeckenstich zur Folge haben kann. Die heurigen Krankheitssymptome reichen von Fieber und Kopfschmerzen bis hin zu Lähmungen und Koma".

Zecken können nicht nur FSME (Virusinfektion), sondern auch Borreliose und Ehrlichiose (Bakterieninfektionen) übertragen, gegen die es allerdings keine Impfung gibt. "Erstmals wurde in Österreich im Vorjahr ein durch einen Zeckenstich hervorgerufene Ehrlichiose-Krankheitsfall bekannt. Die Therapie muss als schwierig bezeichnet werden, weil nur wenige Antibiotika den Keim treffen können", so Andreas Hassl vom Hygiene-Institutes der Universität Wien.