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Besser zu spät als gar nicht

Von Christoph Irrgeher

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Seit Tobias Natter 2013 seinen Job als Leiter des Leopold Museum hingeschmissen hat, war die Optik gelinde gesagt problematisch. Einerseits hatte Natter an etwas Anstoß genommen, das in der Tat fragwürdig wirkte: Sein kaufmännischer Kodirektor stand einer Foundation vor, die wegen Raubkunstvorwürfen ins Gerede kam - und das ausgerechnet im Umfeld des Leopold Museum, das diesbezüglich schon mancher Kritik ausgesetzt war. Zweitens und vor allem aber: Das Resultat von Natters Kritik war praktisch null. Schlimmer noch: Das Museum verlor einfach einen renommierten Mann. Dass der Vorstand den Posten dann nur intern und interimistisch nachbesetzte und sich nicht einmal die Mühe machte, die anberaumte Ausschreibung offiziell abzusagen, wirkte umso verheerender. Botschaft: Wer braucht schon einen künstlerischen Direktor, wenn sein kaufmännischer Peter Weinhäupl heißt? Wer braucht einen echten Diskurs über das Thema Klimt Foundation? Der Eindruck, der überwog: Am öffentlich subventionierten Leopold Museum hatte sich in einer heiklen Phase einfach der stärkste Mann durchgesetzt. Man nahm dies als Beobachter erst verblüfft, dann mit Schulterzucken zur Kenntnis.

Dass Weinhäupl nun, mehr als ein Jahr später, erklärt, seinen Posten zu räumen, muss freilich nichts damit zu tun haben. Vieles spricht aber doch dafür, dass es die Spätfolge seines damaligen Triumphes war - eines Pyrrhussiegs, der einen verheerenden Imageschaden nach sich zog. In diesem Sinn ist der Abgang des - als Kaufmann allseitig gelobten - Weinhäupl nur zu begrüßen, um das Haus aus der Stagnation zu reißen.