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Bestattung und Politik

Von Stefanie Holzer

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Am Dienstag vor Allerheiligen präsentierte das "Am Schauplatz-Team" einen Film über die Wiener Bestattung. Das wienerisch folkloristische Kokettieren mit dem Tod blieb aus diesem Film wohltuend ausgespart. Der Tod an sich ist schrecklich, und der einsame Tod vieler alter Menschen ist noch furchtbarer. Nichts weniger als dieses Faktum wurde in diesem Film mit aller notwendigen Zurückhaltung gezeigt.

Bestatter, Totengräber, Konduktgeher und Journalisten erwiesen sich angesichts des alle gleichmachenden Endes als zivilisierte Menschen, die erst gar nicht versuchten, ihren eigenen Schrecken von dem Leid anderer zu überspielen: Was für ein Leben muss ein alter Mann geführt haben, wenn er, um dieser Hölle zu entgehen, sich selbst dreimal in den Bauch stach?

Das Team um Peter Resetarits sollte sich zum Wohl und zum Gaudium der TV-Konsumenten, bevor die FPÖ endgültig zum Vermieten der ORF-Kanäle schreitet, einmal der sonntäglichen Diskussionssendung "Betrifft" zuwenden. "Am Schauplatz 'Betrifft'" würde Menschen mit akademischen Graden vor ihren Namen zeigen, die durcheinander schreien und einander hämisch auslachen, so dass man sich bisweilen an das unbegreifliche Keckern und Zähneblecken von Schimpansen erinnert fühlt. Die beobachtende Kameraführung würde fragen, weshalb die Sendeverantwortlichen immer Politiker einladen, wenn diese Berufsgruppe sich am wenigsten von allen benehmen kann und dadurch jeden vernünftigen Seher vertreibt? Bestatter haben mehr Stil.