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"Bestes Halbjahr der Geschichte"

Von Helmut Dité

Wirtschaft

"Danke, Franz", sagte der designierte neue voestalpine-Konzernchef Wolfgang Eder, nachdem der de iure per 31. März 2004, de facto per 31. Dezember 2003 scheidende Franz Struzl am Donnerstag in Wien vor der Presse das "beste Halbjahresergebnis der Unternehmensgeschichte" mit "fast ausschließlich Erfreulichem" präsentiert hatte.


"Auch wenn man noch nicht wirklich weiß, ob aus dem derzeitigen Lüftchen ein Wirtschaftsaufschwung wird" und das von einigen Sonderfaktoren geprägte Rekordhalbjahr "natürlich nicht hochgerechnet werden kann, weil das 2. Semester traditionell schwächer ist": Auch das Gesamtjahr per 31. März 2004 werde "deutliche" Steigerungen bei Umsatz und Ergebnis bringen. "Ein EBIT-Plus von 5 bis 10% ist drin", so Eder vorsichtig. Auch die Dividende - im bisherigen Rekordjahr 200/01 betrug sie 1,20 Euro plus 70 Cent Bonus - werde wohl steigen, erklärte Finanzchef Werner Haidenthaler. Der freut sich über eine andere Zahl zur Ertragslage mehr: Das EBITDA von 292 Mill. Euro ist mit 12,9% von den Umsatzerlösen ganz knapp an der Zielmarke von 13% - "der Spitzenwert der Branche in Europa".

Im 1. Halbjahr des Geschäftsjahres 2003/04 (per 30. September) ist der Betriebserfolg (EBIT) gegenüber der Vergleichsperiode um fast zwei Drittel auf 146,8 Mill. Euro (nach 90,6 Mill.)gestiegen, die EBIT-Marge verbesserte sich von 4,5 auf 6,5%. Der Umsatz stieg um 12,6% auf 2,263 (2,010) Mrd. Euro. Vom Umsatzanstieg um 253 Mill. Euro entfielen rund 200 Mill. Euro auf erstmals konsolidierte Neuzukäufe.

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) hat sich auf 137,5 (22,5) Mill. Euro mehr als versechsfacht. Noch deutlicher stieg der Periodenüberschuss, von 12 auf 87,4 Mill. Euro. Der Vergleich mit dem Vorjahr ist jedoch durch die damalige Beteiligung an der VA Technologie AG verzerrt. In der Halbjahresbilanz 2002 musste der 19,05-%-Anteil um 44 Mill. Euro teilwertberichtigt werden, andererseits wurde die Halbjahresbilanz 2003 mit dem Verkauf des VA Tech-Anteils an eine österreichische Investorengruppe um den Industriellen Mirko Kovats im Mai um einen außerordentlicher Nettoerlös von 17 Mill. Euro aufgefettet. Die Mitarbeiterzahl per

30. September hat sich im Jahresabstand um 13,7% auf 22.934 Mitarbeiter erhöht. Rund 40% davon sind außerhalb Österreichs tätig.

Nachdem der anlässlich der Restprivatisierung aufgewirbelte Staub sich nun gelegt habe, zeigt sich der kommende Konzernchef Eder "hoch zufrieden": "Die Emission war mehr als dreifach überzeichnet und wir haben genau unser Wunschergebnis bekommen". Die gegenwärtige Aktionärsstruktur mit knapp 50% inländischen Aktionären sei ein "starker Übernahmeschutz" und solle in Zukunft so erhalten bleiben. Von den inländischen Aktionären sind 32% Institutionelle, 10,3% der Aktien halten die Mitarbeiter - "darüber freuen wir uns besonders - und 7% Kleinanleger - auch das ein Spitzenwert in Österreich. 16% des Auslandsanteils halten nordamerikanische und 19,7% europäische Investoren. Der Rest von 15% betrifft die von der ÖIAG begebene Umtauschanleihe mit einer Laufzeit bis 2. Oktober 2006, die seit dem 12. November theoretisch in voestalpine-Aktien getauscht werden kann. Das Wahlrecht für den Umtausch hat sich aber die ÖIAG

vorbehalten, die den Anspruch mit Laufzeitende statt in Aktien zum Umtauschpreis von 41,275 Euro je Aktie auch in Geld auszahlen und ihren 15-%-Anteil behalten kann. Derzeit gebe es aber "keinerlei Indikationen", dass dies die ÖIAG vorhabe, so Eder. Die Umtauschanleihe mit einem Emissionsvolumen von 245,2 Mill. Euro und 1,5% Verzinsung, die an der Wiener Börse notiert, war mehr als achtfach überzeichnet und wurde ausschließlich von ausländischen institutionellen Investoren gezeichnet - etwa je ein Drittel davon in USA und Großbritannien, 14% in Frankreich.

Das wenige aus der Sicht des Voestalpine-Vorstandes nicht Erfreuliche: Aktuell neben dem ÖBB-Streik (siehe dazu auch Seite 2) die Energieabgabe, die CO2-Verpflichtung laut Kyoto und vor allem das Road Pricing: "Da haben viele noch nicht realisiert, was auf den Standort Österreich zukommt", so Eder.