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Betreutes Wohnen im Trend

Von Peter Kantor

Wissen

Wenn man als älterer und hilfebedürftiger Mensch zu Hause nicht mehr zurechtkommt, auch mit Heimhilfe, Hauskrankenpflege, "Essen auf Rädern" und ähnlichen mobilen Einrichtungen nicht mehr das Auslangen findet, ist guter Rat teuer. Es sei denn, man hat rechtzeitig für einen Ort vorgesorgt, der alles bietet, um einigermaßen unabhängig sein zu können, zudem aber auch die Sicherheit, bei Bedarf Betreuung und Pflege in Anspruch nehmen zu können.


Die statistischen Daten bestätigen, was mittlerweile ohnehin fast jeder weiß: Die österreichische Bevölkerung wird immer älter und die Lebenserwartung steigt kontinuierlich. Männer dürfen hierzulande heute im Schnitt auf 76 Lebensjahre hoffen, Frauen sogar auf 82, ein langer Lebensabend also, der überdies nach den Vorstellungen der meisten immer aktiver gestaltet werden soll. Hand in Hand mit der demographischen Entwicklung geht die wachsende Zahl alleinstehender älterer Menschen, der steigende Bedarf nach Heimhilfe, Hauskrankenpflege und Pflegeplätzen.

Eine zunehmende Zahl findet auch mit den mobilen Einrichtungen nicht mehr das Auslangen. Für ihr verstärktes Bedürfnis nach Sicherheit gibt es das "Betreute Wohnen", ein Trend, der in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen hat. Seniorenhäuser, Seniorenwohnheime und -anlagen bieten, was sich die meisten wünschen, wenn sie sich mit dem Abschied von ihren eigenen vier Wänden abgefunden haben: Ein relativ unabhängiges Leben in einem eigenen Appartement, ergänzt durch Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen, die man bei Bedarf in Anspruch nehmen kann.

Grünoase mit Komfort

"Unser Ziel ist das persönliche Wohlbefinden jedes einzelnen Mitbewohners", erklärt Bruno Schiller von der Seniorenwohnanlage der Wiener Kaufmannschaft im 19. Wiener Bezirk. Umgeben von zwei Parkanlagen, dem Hugo-Wolf-Park und dem Türkenschanzpark, kommt die Anfang der 90er renovierte "Residenz" in der Hartäckerstrasse schon von außen einer städtischen Oase gleich. Der hohe Anspruch setzt sich auch im Inneren fort: Stilvolles Ambiente, großzügige Raumgestaltung, komfortable Zimmer, moderne Betreuungseinrichtungen, gemütliche Gesellschaftsräume und ein freundliches, kompetentes Personal zählen zu den Selbstverständlichkeiten.

"Bei uns kann man ,zu Hause' sein wie in einer normalen Wohnung und zusätzlich ein optimales Service abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse in Anspruch nehmen", wirbt Schiller für sein Haus. Generell können die Appartements mit eigener Einrichtung oder vom Haus ausgestattet werden. In jeder Wohneinheit stehen Bad, WC, Sat-TV, ein Kühlschrank, zwei Kochplatten und Telefonanschluss zur Verfügung. Als einer der besonderen Vorzüge des Hauses gilt die garantierte Versorgung bei Notfällen. Praktischer Arzt, Ergotherapie und Gymnastik sind täglich verfügbar. Damit die Bewohner sich nicht mit weiten Wegen zu Fachärzten belasten müssen, ordinieren auch diese regelmäßig im Haus.

Maßgeschneiderte Angebote

Es gibt Einzel- und Doppelappartements (30-51 m2), in denen man auch "Betreutes Wohnen" in Anspruch nehmen kann. Das beinhaltet pflegerische und andere Leistungen vom Portionieren von Medikamenten über Hilfestellungen beim Anziehen, Waschen bis zu Behandlungen im Zimmer. Angeboten wird überdies eine "Seniorenbetreuung", eine persönliche Betreuung, die auf die individuelle Organisation von sozialen Bedürfnissen und Aktivitäten abzielt und etwa auch die Begleitung zu Veranstaltungen ermöglicht.

Last but not least steht den Bewohnern eine moderne Pflegestation mit rund 90 Betten zur Verfügung. Die Bettenstation ist zum Großteil ständig belegt, kann aber auch von erkrankten Hausbewohnern genutzt werden. Sie wird rund um die Uhr von diplomierten Schwestern betreut, eine tägliche, ärztliche Visite ist inbegriffen.

"Nach einem Krankenhausaufenthalt oder bei Verschlechterung der Gesundheitslage können unsere Mitbewohner problemlos vom Appartement in die Pflege wechseln, ebenso auch wieder ins Appartement zurück", betont Schiller die vorhandene Flexibilität. Etwaige Ängste, das Haus verlassen zu müssen, gebe es auch nicht. Denn obwohl alle Appartements "nur" gemietet und nicht gekauft werden können, sind unbefristete Mietverhältnisse die Regel, rund 90 Prozent der Mieter sind Dauermieter.

Vormerken und

Probewohnen

Idealerweise sollte man sich so früh wie möglich in die Interessentendatei eintragen lassen. "Das kostet nichts und erleichtert bei Bedarf den Eintritt in unser Haus", erklärt Schiller. Ist man sich nicht sicher, ob die Anlage den Bedürfnissen entspricht, könne man ein Monat "Probewohnen" und sich sein eigenes Bild machen. "Ferienwohnen" und "Erholungsaufenthalte" nach Spitalsbesuchen bieten sich ebenso an wie ein vorübergehender Aufenthalt bei plötzlichen Ausfällen von Heimhilfen etc.

Preislich liegen die Mieten für die Appartements im höheren Segment, dem gehobenen Angebot entsprechend. In dem Preis für ein einfaches Einzelappartement (1.365,14 Euro) sind u.a. Vollpension, die tägliche Reinigung des Appartements, alle Wohnnebenkosten (Heizung, Wasser, Strom...), Telefongrundgebühr, Internet und Ergo-Therapie inbegriffen, Zusatzleistungen wie Untersuchungen, Privatwäsche, pflegerische Leistungen etc. müssen hingegen extra bezahlt werden. Ein Pflegebett kostet zwischen 2.700 und 4.300 Euro (Dreibettzimmer bis Einbettzimmer). Für ehemalige Selbständige und deren Familienmitglieder gibt es einen Preisnachlass von sieben Prozent.

Caritas mit elf Häusern

österreichweit

In einer ähnlichen Preiskategorie bewegt sich das Angebot der Caritas. Sie betreibt österreichweit elf Senioren- und Pflegehäuser mit insgesamt rund 1.100 Personen, acht davon in Wien. Mobile Bewohner müssen in ihren Appartements mit einem Tagessatz von rund 40 Euro rechnen (rund 1.200 Euro im Monat), "Betreutes Wohnen" kostet - je nach Zusatzleistung - entsprechend mehr. Für ein Pflegebett muss man mit mindestens 2.400 Euro pro Monat rechnen. An den verschiedenen Standorten werden ähnlich wie bei der Seniorenanlage der Wiener Kaufmannschaft unterschiedliche Betreuungsmöglichkeiten geboten. Einen Anspruch haben aber alle Häuser gemeinsam: sie sind überschaubar und vermitteln eine individuelle Atmosphäre.

Aktuell sind nur wenige Betten frei, Wartezeiten schwanken je nach Haus und Bedarf von einigen Tagen bis zu Monaten. Bei dringendem Bedarf findet sich aber meist rasch eine Lösung, versichert die Caritas.

Je nach Finanzlage gibt es auch die Möglichkeit einer finanziellen Unterstützung durch die MA 47. Der Zuschuss richtet sich nach der Pflegestufe, als Richtlinie gilt Pflegestufe 3 als Voraussetzung für die "Pflege" und Pflegestufe 2 für "Betreutes Wohnen".

Zum Alter der Bewohner befragt, bestätigen Kaufmannschaft und Caritas die Tendenz zum immer höheren Eintrittsalter in die Seniorenhäuser. Das liege vor allem am wachsenden Angebot an mobilen Einrichtungen. "Das Durchschnittsalter beträgt bei uns 86 Jahre, über 200 Mitbewohner sind zwischen 90 und 100 Jahre alt", rechnet Schiller für sein Haus vor. Nachsatz: Er sei zwar stolz auf den hohen Altersschnitt, entscheidend sei für ihn persönlich aber die gebotene und gelebte Lebensqualität.