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Betriebliche Altersvorsorge kommt nicht vom Fleck

Von Herbert Hutar

Wirtschaft

Schleppender Start der betrieblichen Kollektivversicherung. | Geyer: Wären faire Alternative zur Pensionskasse. | Wien.Schlechte Zeiten für die betriebliche Altersvorsorge: Immer weniger Betriebe bieten ihren Beschäftigten ein zusätzliches Zuckerl in Form einer Firmenpension. Eine Alternative zu den Pensionskassen, die zuletzt massive Kürzungen vornehmen mussten, ist die betriebliche Kollektivversicherung. Diese gibt es seit Ende 2005, sie jedoch kommt nicht vom Fleck.


Mit Verträgen für rund 15.000 Anwärter auf Basis einer Gruppenlebensversicherung hat sie einen schleppenden Start. Die Pensionskassen hingegen steigerten die Zahl der Anwärter seit 2006 um knapp 50.000 auf 500.000. Das ist jedoch bedingt vergleichbar, denn hier sind auch Neuzugänge von Beschäftigten zu Firmen enthalten, die einen alten Pensionskassenvertrag haben, auch öffentlich Bedienstete ohne Wahlmöglichkeit. Die Arbeiterkammer kritisiert bei der Versicherung mangelnde Transparenz und meint, die größere Sicherheit werde durch mehr Einzahlungen bei weniger Rente erkauft.

Günter Geyer, Chef der Vienna Insurance Group und Präsident des Versicherungsverbandes, beklagt Ungerechtigkeiten durch die Politik: "Die betriebliche Kollektivversicherung ist noch nicht allen Österreichern zugänglich. Vor allem Beamte und Vertragsbedienstete in den Gemeinden sind gezwungen, zu Pensionskassen zu gehen." Geyer fordert eine Gesetzesänderung, damit auch die Beamten die Möglichkeit zum Übertritt haben.

Durchlässigkeit fehlt

Tatsächlich ist im vorliegenden Entwurf zu einem neuen Pensionskassengesetz zwar ein Wechsel vom Pensionskassensystem zu einer betrieblichen Kollektivversicherung vorgesehen, aber nur auf Betriebsebene. Die Durchlässigkeit müsse aber vollständig sein, so Geyer: "Wünschenswert wäre, einen Teil der Ansparbeträge in eine Pensionskasse, einen Teil in die BKV zu geben, sodass Mitarbeiter wählen können, welche Quote wo eingezahlt wird."

Versicherungen sind Großaktionäre der Pensionskassen. Mit der BKV haben sie ein Konkurrenzprodukt auf den Markt gebracht. Zur dieser Doppelrolle der Versicherungen meint Geyer: "Versicherungen sind Aktionäre geworden, weil die Suche nach Aktionären damals nicht besonders erfolgreich war und weil man ihnen eine gewisse Rendite in Aussicht gestellt hat. Ich kann für unser Haus sagen, wer immer die Anteile aus unserer Pensionskasse (VBV-Pensionskasse, Anm. d. Red.) haben möchte, mit dem fange ich sofort Verhandlungen an." Für Geyer ist es wichtig, dass beide Formen der betrieblichen Altersvorsorge nebeneinander gleichwertig existieren: "Die betriebliche Kollektivversicherung ist eine faire Alternative zur Pensionskasse. "

Zwist um Entnahme

Die Kassenreform sorgt indes für Diskussionen. Die ÖPAG Pensionskasse wehrt sich gegen die Forderung nach Kapitalentnahme, welche die Arbeiterkammer erhoben hat. Dies sei eine "volkswirtschaftliche Dummheit", poltert der Chef der ÖPAG-Mutter Vorsorge Holding AG, Andreas Zakostelky. Die AK beharrt hingegen auf eine "faire" Ausstiegsmöglichkeit.