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Bewährungstest für Berlusconi Linke hofft auf Protestwähler

Von Rainer Mayerhofer

Politik

Rom - Fast 12 Millionen Italiener wählen am Sonntag und Montag in zehn Provinzen und 974 Gemeinden neue Kommunalverwaltungen. Es ist der erste größere Wahlgang, seit Silvio Berlusconi am 13. Mai 2001 die Parlamentswahlen gewonnen hat und zum zweitenmal nach 1994 Premierminister wurde. Die Opposition rief dazu auf, den Unmut über Berlusconis bisherige Leistungen an den Wahlurnen zu bekunden.


Der Regierungschef selbst, dessen Koalition die politische Bedeutung des Urnengangs herabzuspielen versucht, hofft dass der Rechtstrend, der sich bei den Wahlen in Europa seit einem Jahr abzeichnet, auch bei den Kommunalwahlen weiter anhält.

Von den 28 Provinzhauptstädten, in denen am Wochenende neue Bürgermeister und Gemeinderäte gewählt werden - Bürgermeisterstichwahlen finden dort, wo es keine klare Entscheidung gegeben hat, am 9. Juni statt - wurden bisher 15 von den Mitte-Rechts-Parteien regiert und elf von Vertretern der Mitte-Links-Opposition.

Von den zehn Provinzverwaltungen, deren Neuwahl ansteht, wurden bisher fünf - Genua, La Spezia, Ancona, Campobasso und Reggio di Calabria von Mitte-Links-Kandidaten verwaltet. Vier - Varese, Como, Treviso und Vicenza - hatten einen Provinzpräsidenten aus den Reihen der Lega Nord und eine - Vercelli - wurde von einer Mitte-Rechts-Verwaltung geführt.

Um die Bürgermeisterämter in den 974 Kommunen, von denen 751 mehr als 15.000 Einwohner haben, bewerben sich 2.772 Kandidaten und um die Gemeinderatssitze 87.342. Gewählt werden neue Bürgermeister u.a. in Genua, Verona, Görz, Parma, Lucca, Brindisi, Matera, Cosenza und Reggio Calabria.

In einigen Städten wird es zu interessanten Duellen kommen, wobei einzelne Kandidaten sich nicht nur Mitbewerbern aus den gegnerischen Lager, sondern auch aus dem eigenen gegenübersehen. In Verona etwa unterstützt die scheidende Bürgermeisterin Michaela Sironi von Berlusconis Forza Italia (FI) den FI-Abgeordneten Aventino Frau gegen den offiziellen Kandidaten der Partei, Pierluigi Bolla. Eine ähnliche Situation herrscht im piemontesischen Asti, wo der scheidende Bürgermeister Luigi Florio (FI) bei den Wahlen seinem Ex-Fraktionschef Alberto Pasta gegenübersteht. In Lucca, der einzigen größeren Ortschaft in der Toskana, die von einer Mitte-Rechts-Verwaltung beherrscht wird, hat der wieder antretende Bürgermeister Pietro Fazzi in dem Umweltstadtrat Virginio Bertini, der von der postfaschistischen Alleanza Nazionale kommt, einen rechten Mitbewerber.

Aber auch bei der oppositionellen Ulivo-Fraktion herrscht keineswegs überall Einigkeit. In Cosenza etwa, wo der langjährige Bürgermeister und ehemalige Parteichef der italienischen Sozialisten, Giacomo Mancini, wenige Wochen vor der Wahl gestorben ist, hat die Linksdemokratin Eva Catizone in dem vom Mittebündnis Margherita und Altkommunisten unterstützten Salvatore Perugini einen Mitbewerber aus dem Mitte-Links-Parteienspektrum bekommen. Und in der Marmorstadt Carrara, bewerben sich gleich zwei Linksdemokraten um den Bürgermeistersessel: Der offizielle Ulivo-Kandidat Giulio Conti und der mit einer Namensliste kandidierende Lucio Segnanini.

In Genua zweifelt niemand am Sieg des derzeitigen Bürgermeisters Giuseppe Pericu, der vom Ulivo-Bündnis gebeten wurde, für eine zweite Amtszeit anzutreten. In Parma hofft die Ulivo-Kandidatin Albertina Soliana den amtierenen Bürgermeister Elvio Ubaldi zu besiegen und in Reggio Calabria hofft die Rechte nach dem Tod des beliebten Ulivo-Bürgermeisters Italo Falcomata diesmal punkten zu können.

Eher folkloristischen Charakter hat die Kandidatur der ehemaligen Pornodarstellerin Cicciolina - Ilona Staller - für das Bürgermeisteramt in Monza. In Sesto San Giovanni, dem "Ex-Stalingrad" vor den Stadttoren Mailands, das seit 1946 ununterbrochen von linken Bürgermeistern regiert wird, dürfte der künftige Bürgermeister so heißen wie jener in der Nachkriegszeit. Der Journalist Giorgio Oldrini will in die Fußspuren seines Vaters treten, der von 1946 bis zu seinem Tod 1962 Bürgermeister war.