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Bewerbungsgespräch 2.0 - Selektion nach Soft Skills

Von Alexander Müller

Wirtschaft
Sind klassische Bewerbungen bald überflüssig? Foto: bbox

Online-Fragebogen fragt Persönlichkeit der Bewerber ab. | Wien.Was trifft hiervon am meisten auf Sie zu, was am wenigsten: gründlich, inspirierend, entschlossen, aufmerksam? Mindestens 30 solcher Fragen muss der Bewerber auf Einladung des Unternehmens beantworten, ehe sich entscheidet, ob er eine Runde weiter kommt. Das Besondere: Die Fragen werden online gestellt.


Das Wiener Personalberatungsunternehmen KarriereDesign.at bietet seit kurzem eine Vorselektion für die Personalsuche mittels Online-Fragebogen. Zielgruppe sind vor allem Stellen mit Kundenkontakt.

Doch im Gegensatz zu anderen Fragebögen mit Fokus auf Qualifikationen wie dem Schulabschluss erhebt KarriereDesign.at in dem viertelstündigen Online-Test die Soft Skills der Bewerber, also ihr Persönlichkeitsprofil.

"Gerade bei Jobs, die viel Kommunikation erfordern, ist die Tätigkeit stark von den Soft Skills abhängig. Wenn diese fehlen, nützen auch die besten Fachqualifikationen nichts", weiß Stefan Quirchmayr, Geschäftsführer von KarriereDesign.at. Außerdem: "Fehlendes fachliches Know-How lässt sich mit Schulungen oft schnell nachlernen."

Damit die Fragen nicht durchschaubar sind, arbeiteten Experten zwei Jahre lang an dem Test und ließ Lehren aus der Psychologie in die bunt gemischten Fragen einfließen. Quirchmayr: "So erkennt man nicht, auf welchen Oberbegriff die Frage abzielt."

Doch was sagen die Antworten überhaupt aus? Wenn der Bewerber im Anfangs-Beispiel sich etwa als gründlich einstuft, sagt das dem Unternehmen, dass er - etwa im Controlling - verlässlich ist. Inspirierend wählen Leute, die im Umgang mit Kunden Abschlüsse erzielen können. Entschlossene Bewerber kämen als Projektleiter in Frage. Leute, die aufmerksam wählen, gelten als engagiert.

Vorauswahl online - Gespräch persönlich

Jene Bewerber, die dem Anforderungsprofil am nächsten kommen, werden dem Unternehmen schlussendlich vorgeschlagen. "Wir treffen eine Vorauswahl anhand der Soft Skills, das Unternehmen kann diese dann anhand der Qualifikationen reihen und den besten Kandidaten zum Bewerbungsgespräch einladen", sagt Quirchmayr. Zwischen dem Ausschicken der Einladung zum Test - in Form eines Zugangscodes per E-Mail - und dem persönlichen Gespräch mit den Bewerbern vergehen meist nur wenige Tage.

Neben der Schnelligkeit setzt Quirchmayr vor allem auf den Preis: Die besten drei aus zehn Bewerbern samt Aufschlüsselung präsentiert zu bekommen, kostet 350 Euro - für die fünf besten aus Hundert zahlt man knapp 850 Euro. Zum Vergleich: Bei einer klassischen Personalvermittlung kostet das Verfahren meist mehrere tausend Euro.

Das Ende des traditionellen Bewerbungsgesprächs stehe dennoch nicht bevor: "Die Online-Befragung ersetzt sicher kein persönliches Gespräch. Es zeigt aber auf, ob ein Gespräch notwendig ist." Außerdem sei der Test nur für Berufe mit hohem Anteil an Kommunikation wie etwa Vertriebsleiter geeignet, betont Quirchmayr: "Hat der Beruf damit nichts zu tun, macht der Test keinen Sinn."

Dem Personalpsychologen Christoph Kabas sind 30 Fragen zu Soft Skills hingegen viel zu wenig für ein seriöses Urteil: "Die Methode ist geeignet für eine grobe Vorauswahl, aber das Risiko, dabei kompetente Leute zu verlieren, ist sehr hoch." Generell gilt: "Je mehr Daten ich über einen Bewerber habe, desto genauer ist die Auswahl."

Deswegen ist für Kabas vor allem die Kombination mehrerer Verfahren wichtig: "Qualifikationen anfangs komplett zu vernachlässigen, kann auch nach hinten losgehen."