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Bewußt sein · bewußt sprechen

Von Manfred A. Schmid

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"Vom Sein zum Bewußtsein" lautet in dieser Woche der Titel der "Radiokolleg"-Sendung um 9.05 Uhr in Österreich 1. Die interdisziplinären Erörterungen zum Thema "Der Mensch und sein Gehirn" haben

höchst spannend begonnen. Wenn einem der Boden der vermeintlich selbstverständlichen Gewißheit entzogen wird, beginnt bekanntlich das Staunen und die Philosophie. Das dürfte · bis Donnerstag · noch

recht spannend werden. Ein Geisteskrimi sozusagen.

Noch ein kleiner Nachtrag zum "politisch korrekten" Umgang mit geschlechtsbezogenen Pluralformen. In den Österreich-1-"Standpunkten" am vergangenen Freitag stellte Renata Schmidtkunz zunächst wie

üblich die "Expertinnen" vor, die über das neue Scheidungsrecht und die finanziellen Auswirkungen für betroffene "Ehepartnerinnen" diskutieren sollten. Gemeint aber waren in beiden Fällen Männer und

Frauen, doch das war den von der Moderatorin korrekt ausgesprochenen Wörtern "ExpertInnen" und "EhepartnerInnen" natürlich nicht anzumerken. Frau Schmidtkunz mußte daher jeweils die umständliche

Erklärung hinzufügen: "mit großem i". Da das auf Dauer etwas ennervierend ist, verzichtete sie schließlich auf diesen Zusatz und lächelte nur noch verlegen. Immerhin verzichtete sie auf die ebenfalls

zuweilen herangezogene Verständnishilfe, das "i" auf unnatürliche Weise zu betonen.

Ich aber halte es weiterhin mit der Abwandlung eines Wittgenstein-Zitats: Was man nicht hören kann, das sollte man nicht sprechen. Und was man nicht sprechen kann, das sollte man auch nicht

schreiben.Manfred A. Schmid