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Bhuttos Tod schürt Gefahr eines instabilen Pakistan

Von Luke Baker und Paul Eckert

Politik

Das Attentat auf Oppositionschefin Benazir Bhutto droht Pakistan in eine Krise mit weitreichenden internationalen Konsequenzen zu reißen. Halten die Unruhen an und sagt Präsident Pervez Musharraf die Wahlen am 8. Jänner ab, steht das Land nach Einschätzung von Experten vor einer Zerreißprobe, die nicht nur für die ohnehin instabile Region gefährlich ist.


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Ein weiterer Niedergang Pakistans werde "alle Nachbarländer, Europa und die USA auf nicht vorherzusagende und unangenehme Weise" betreffen, mahnte der Süd-Asien-Experte Stephen Cohen von der Brookings Institution in Washington. Bhuttos Tod sei ein schwerer Schlag für die Idee eines liberalen und moderaten Pakistan. Für die US-Regierung, die lange ausschließlich auf den Militärherrscher Musharraf gesetzt hat, eine "Katastrophe in jeder Hinsicht", sagt Frederic Grare von der Carnegie-Stiftung für Internationalen Frieden.

Mit der Ermordung von Politikern wie Bhutto werde das gesamte demokratische Lager in Pakistan geschwächt, sagt Grare. "Wir haben niemanden mehr, mit dem wir zusammenarbeiten können und der dieselbe Fähigkeit wie Bhutto hat, politische Stabilität zu schaffen", sagt auch Anthony Cordesman vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien.

M.J. Gohel von der Asien-Pazifik-Stiftung in London warnt vor einem politischen Vakuum in Pakistan, das von radikalen Muslimen besetzt und genutzt werden könne. "In Pakistan gibt es die Al Kaida und die Taliban, und es gibt offensichtlich Atomwaffen und Langstreckenraketen... das hat alles Rückwirkungen für den Westen und die ganze Welt", sagt er.

Die Szenarien der Experten reichen von landesweiten Unruhen bis zu der alptraumartigen Vorstellung eines instabilen islamischen Pakistan, das Atomwaffen zur Verfügung hat. Und dies in unmittelbarer Nachbarschaft zu Afghanistan, wo die NATO mit 40.000 Soldaten - darunter mehr als 2500 deutschen - um stabilere Verhältnisse kämpft.

Eine Destabilisierung Pakistans würde den radikalen Kräften rund um die Attentäter vom September 2001 in die Hände spielen, die sich im Grenzgebiet zu Afghanistan eingenistet haben. Auch deutsche Terrorismusexperten sehen daher die Hand der Al Kaida hinter dem Attentat, das die hart umkämpfte Demokratisierung und Liberalisierung Pakistans und sein Bündnis mit dem Westen auf Dauer zu untergraben droht: Der Anschlag liefere den Beweis, dass die Al Kaida nach all der Anti-Terror-Politik heute stärker sei denn je, sagt Rolf Tophoven. "Das ist eindeutig ein Erfolg der Islamisten und eine schlimme Niederlage des Westens. Die USA stehen vor einem Scherbenhaufen."

(WZ Online / Quelle: Reuters)