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Bhuttos zweite Heimkehr

Von WZ-Korrespondentin Agnes Tandler

Politik

Zehntausende empfingen frühere Premierministerin. | Ist sie noch eine Hoffnungsträgerin? | New Delhi. Zehntausende Anhänger säumten die Straßen von Karachi, um Benazir Bhutto, die berühmteste Tochter Pakistans, mit Jubel zu empfangen. Nach acht Jahren im selbstgewählten Exil kehrte die Ex-Premierministerin am Donnerstag in ihr Heimatland zurück. In den pakistanischen Nationalfarben grün-weiß gekleidet und sichtlich mit den Tränen kämpfend, entstieg die Politikerin der Emirates Maschine EK-606 aus Dubai. Medien sprachen von einer "historischen Heimkehr".


Bereits zweimal, von 1988 bis 1990 und von 1993 bis 1996, war Bhutto Premierministerin Pakistans. Nun will sie es noch einmal versuchen. Seit längerem verhandelt sie mit Präsident Pervez Musharraf über einen möglichen Machtdeal. Washington unterstützt die Verhandlungen zwischen den beiden einstigen Rivalen. Die im Land beliebte Bhutto soll für Popularität und demokratische Legitimation der Regierung sorgen. Doch unklar ist, wie die Machtaufteilung zwischen Bhutto und Musharraf in der Praxis aussehen soll. Nach ihrer Rückkehr erklärte sie jedenfalls, ihr Ziel sei das Ende der von Musharraf geführten Militärdiktatur.

"Keine Marionette"

"Ich will kein Marionetten-Premier sein", hatte Bhutto dem indischen Fernsehsender NDTV vor ihrer Abreise aus Dubai verkündet. Sie möchte, dass das Recht des Präsidenten, die Regierung und den Premierminister zu entlassen, gestrichen wird. Sie muss es wissen. Beide ihrer Regierungen wurden vom Präsidenten abgesetzt, obwohl sie eine komfortable Mehrheit im Parlament hatten.

Und noch eine Forderung stellt die 54-Jährige. Die Anklagen gegen sie wegen Korruption sollen fallen gelassen werden. Ob die entsprechende Abmachung mit Musharraf gültig ist, will nun der Oberste Gerichtshof Pakistans entscheiden. Die Richter wollen zudem die Rechtmäßigkeit der Wiederwahl Musharrafs durch das Parlament am 6. Oktober klären. Denn eine dritte Amtszeit für Musharraf ist eigentlich in der Verfassung nicht vorgesehen. Die Richter wollen sich Zeit lassen: Die Entscheidung über Musharrafs Wiederwahl soll erst in zwei Wochen ergehen.

Bhutto kehrt zu einem Zeitpunkt zurück, an dem die politische Zukunft des Landes zwischen Himalaya und Arabischem Meer mehr denn je ungewiss erscheint. Seit der Stürmung der Roten Moschee erschüttern fast täglich Bombenanschläge von islamischen Hardlinern das Land. Taliban-Kämpfer haben sich in den Gebieten entlang der Grenze zu Afghanistan festgesetzt. Sie drohen damit, Bhutto und Musharraf umzubringen. Und Präsident Musharrafs steht zudem innen- wie außenpolitisch unter Druck.

Vor 19 Jahren ist Bhutto schon einmal nach Pakistan heimgekehrt. Millionen Menschen jubelten ihr damals zu, als sie als Chefin der Partei ihres Vaters aus dem Exil in London in ihre Geburtsstadt Karachi zurückkam. Wenig später gewann sie die Wahlen und wurde die erste weibliche Regierungschefin Pakistans. Doch es ist ein anderes Pakistan, in das Bhutto jetzt zurückkommt. Und auch sie selbst ist nicht mehr die Hoffnungsträgerin von einst.

Damals - 1988 - war sie eine Sensation. Sie war jung, attraktiv, hochgebildet, modern. Sie war die erste weibliche Regierungschefin eines islamischen Landes der Neuzeit. Doch heute steht ihr Name für viele in Pakistan für Korruption und Inkompetenz.

Bhutto stammt aus einer Politikerfamilie. Ihr Vater, Zulfikar Ali Bhutto, war Anfang der 70er-Jahre Premierminister Pakistans. Doch die 1953 in Karachi geborene Benazir folgte ihm nur widerwillig in die Politik. Als ihr Vater 1977 inhaftiert und zwei Jahre später hingerichtet wurde, übernahm sie sein Erbe.