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Biedere Amateure im Wahlkampf der Worte

Von Walter Hämmerle

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In Österreich steckt die Sprachvernebelungskunst noch in den Kinderschuhen.


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Durch Sprache zu überzeugen, ist eine hohe Kunst. Und eine rare sowieso.

Nun haben in Wahlkämpfen nicht nur die Politiker, sondern auch die Dichter und Texter in den Parteizentralen Hochkonjunktur, wenn es um die Formen eingängiger Botschaften geht. Die, aber das nur am Rande, umso dringender gebraucht werden, je austauschbarer das politische Personal auftritt.

Tatsächlich ist das Elend der öffentlichen Rede hierzulande ein vor allem medial viel beklagtes Unglück. Vielleicht, weil in der Politik über Jahrzehnte hinweg vor allem Juristen das Sagen hatten und sich öffentliche Streitlust auf Zeltfeste und Pausenhöfe beschränkte. Doch nicht einmal die Politik konnte sich dem Trend zur Professionalisierung entziehen.

Wie immer bei soziologischen Trends sind uns auch hier die USA um Längen voraus, haben sie doch die Kunst perfektioniert, den eigentlichen Inhalt eines Begriffs bis zu Unkenntlichkeit zu verwischen. Wer würde vermuten, dass hinter einem Gesetzespaket namens "USA Patriot Act" tatsächlich die Einschränkung von Bürgerrechten zum Zwecke der Terrorismus-Abwehr steckt. Orwell lässt grüßen.

In Österreich steckt die Sprachvernebelungskunst dagegen noch in den Kinderschuhen. Das zeigt nicht nur, aber doch auch der anlaufende Wahlkampf. Nur Frank Stronach demonstriert, dass vom Steirer-Buam nach den Jahrzehnten in Nordamerika nichts übrig geblieben ist. Die Liebe zum Kernöl natürlich ausgenommen. Davon abgesehen erfüllen Franks "Werte" Wahrheit, Transparenz und Fairness alle Anforderungen an die neuen Zeiten: Sie klingen toll und sagen nichts.

Die Politiker, die niemals weg waren, tun sich deutlich schwerer, hohle Phrasen in schöne Worte zu kleiden. Links der Mitte kommt noch das Problem der gendergerechten Sprache hinzu: Das Binnen-I ist diesbezüglich reinstes Gift. "Arbeiter" klingt aus gestandenem SPÖ-Mund immerhin erdig, wenn auch nicht mehr authentisch. "ArbeitnehmerInnen" ist weder noch.

Wenigstens dieses Problem hat die ÖVP nicht auch noch. Dafür eine ganze Handvoll traditioneller Werte, die allesamt schon bessere Zeiten erlebt haben. "Familie" ist so ein gutbürgerlicher Dauerbrenner und "Heimat" auch. Damit lassen sich zwar trefflich die letzten Stammwähler zu Tränen rühren, an neue Wähler pirscht man sich so jedoch eher nicht heran.

Wo auf Freunde kein Verlass ist, müssen Feindbilder her. Was den einen die Millionärssteuern sind, ist den anderen ein Anschlag auf die Fleißigen. Klassenkampf zieht eben immer, glauben zumindest unsere Politiker.

Und dann gibt es noch den Schlachtruf nach endlich mehr "Gerechtigkeit", so ziemlich der amerikanischste, weil inhaltsleerste aller heurigen Wahlkampf-Slogans (nachdem von Freiheit in diesen Breiten selten die Rede ist). Da rächt sich, dass vergangenes Regieren die Versprechen beider Regierungsparteien ihrer Glaubwürdigkeit beraubte. Da bräuchte es schon einen begnadeten Schönredner wie Barack Obama, um die Kluft zwischen Schein und Sein zu übertünchen.