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Bier und Heimatliebe

Von Hermann Schlösser

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Bevor im 19. Jahrhundert die Kältemaschine erfunden wurde, konnte man im milden Klima des Rheinlandes nur obergäriges Bier brauen. Denn das untergärige Bier braucht kühle Temperaturen. Im Lauf der Jahre verwandelte sich dieser klimabedingte Mangel jedoch in eine Tradition.

Bis zum heutigen Tag werden am Rhein obergärige Biere bevorzugt: In Düsseldorf das dunkle "Alt", in Köln das helle "Kölsch". Die rheinischen Biertrinker lieben diese Traditionssorten, weil sie "mit jedem Schluck Bier der Geschichte der eigenen Region nahekommen". (So erklärte es der Volkskundler Gunther Hirschfelder aus Bonn.)

Im Ruhrgebiet dagegen ging es früh schon untergärig zu: Der preiswerte Biertyp "Export" war das klassische "Revierbier" und wurde von den Bergleuten und den Stahlarbeitern getrunken. Erst mit dem Niedergang der Schwerindustrie verlor das Export an Bedeutung und wurde durch das feinere Pils ersetzt.

Solche Erkenntnisse aus der Bierhistorie vermittelte der Film "Schaumkronen und Bierlegenden" am Rosenmontagabend in 3sat. Anhand mehrerer Beispiele wurde gezeigt, wie Biertrinken in dem weinarmen Land Nordrhein-Westfalen zu der Identitätsbildung beiträgt.

Zwar war die informative Produktion des WDR nebenbei auch eine Art Product Placement für Alt, Kölsch und Export. In der Hauptsache jedoch bot sie eine anregend inszenierte Kulturgeschichte des Biertrinkens.