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Big Brother am Bankschalter

Von Stefan Melichar

Wirtschaft
Terrorfahnder wollen Geldtransfers überwachen. Foto: bbox

Swift reagiert mit Neuorganisation. | Wien-Büro soll das Ostgeschäft stärken. | Wien. Der Aufschrei war nicht zu überhören: Vor rund zwei Jahren wurde bekannt, dass der Finanzdienstleister Swift im Namen der Terrorbekämpfung Bankdaten an die US-Behörden weitergegeben hatte. Da über Swift Finanzinstitute auf der ganzen Welt grenzüberschreitende Zahlungstransfers abwickeln, sind auch europäische Bankkunden davon betroffen gewesen - sehr zum Missfallen der EU-Datenschützer.


Mittlerweile zeigt sich jedoch, dass Datenbanken wie jene von Swift auch für EU-Ermittler eine große Anziehungskraft besitzen. So hat Anfang Juli eine EU-Zukunftsgruppe unter der Führung des deutschen Innenministers Wolfgang Schäuble Zugriff auf - unter anderem - die Swift-Daten gefordert. Seine österreichische Amtskollegin Maria Fekter (ÖVP) begrüßte die Initiative umgehend.

Dies trifft Swift in einer heiklen Phase. Nach dem Skandal in den USA hat sich der Finanzdienstleister entschlossen, ein neues Rechenzentrum in der Schweiz zu errichten. Dieses ergänzt ab Mitte 2009 das bestehende Zentrum in Holland. Ab diesem Zeitpunkt erfolgt die - aus Sicherheitsgründen durchgeführte - parallele Speicherung europäischer Daten nicht mehr in den USA.

Nicht alles gespeichert

EU-Behörden könnten aber über die Niederlassung in Holland Zugriff auf Daten erlangen, gibt Michael Formann, Chef des neu gegründeten Österreich-Büros von Swift, zu. "Wir unterliegen der lokalen Rechtssprechung", so Formann. Allerdings speichert Swift Überweisungen, die im Rahmen des einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrssystems Sepa abgewickelt werden, derzeit nicht, sondern reicht sie nur weiter.

Sepa befindet sich jedoch erst in der Anlaufphase, und auch sonst werden bestimmte Überweisungen außerhalb des neuen Systems getätigt. Diese speichert Swift sehr wohl.

Im Jahr 2007 hat Swift hierzulande 42,5 Mio. Datentransfers abgewickelt. Von Österreich aus will der Finanzdienstleister laut Formann auch das Geschäft in Zentral- und Osteuropa vorantreiben.

Wissen

Der genossenschaftlich organisierte belgische Finanzdienstleister Swift gibt weltweit die Standards für grenzüberschreitende Zahlungstransfers vor und sorgt auch selbst für den Datentransport. Darüber hinaus werden Daten aus dem Wertpapier- und Devisenbereich übermittelt. Auch Firmen außerhalb der Finanzbranche nutzen dieses Netzwerk. Der bekannte "Swift-Code" bei Auslandsüberweisungen dient zur Identifikation einzelner Banken.