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"Big" ist bei Banken nicht "beautiful"

Von Harald Waiglein

Wirtschaft

Experte: Große Banken sind nicht profitabler als die kleinen. | Shareholder Value immer wichtiger. | Alpbach. Viele Fusionen im Bankenbereich werden damit begründet, dass man die Profitabilität steigern will. Große Banken könnten "economies of scale" nutzen (also jenes Phänomen, dass bei steigender Größe eines Unternehmens der Anteil der Fixkosten sinkt) und könnten so die Gewinne steigern, lautet das Argument.


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Die Fakten weisen allerdings in die andere Richtung, sagt David Llewellyn, Professor für Bankwesen an der Universität Loughborough in Großbritannien. "Der Zusammenhang zwischen der Größe einer Bank und ihrer Profitabilität ist so klein, dass er statistisch insignifikant ist", so Llewellyn.

"Zwischen gleich großen Banken gibt es viel größere Unterschiede bei der Eigenkapitalrendite als bei Banken unterschiedlicher Größe. Der Grund: Kleine Banken können Bereiche mit hohen Fixkosten einfach "outsourcen", also von einem externen Anbieter billiger erledigen lassen.

Llewellyn ist überzeugt, dass Banken in Europa in Zukunft immer mehr Wert auf "shareholder value" legen werden. Gewinne für die Aktionäre sind in diesem Modell der einzige Geschäftszweck.

Das deutsche und österreichische Modell von Genossenschaftsbanken, die vor den Gewinn die Interessen der "stakeholder" - also der Kunden, Kreditnehmer und Geschäftspartner der Bank - stellen, werde hingegen immer weiter zurückgedrängt werden.

Service für Kleinkunden wird wohl schlechter

Eine Folge davon ist, dass das Service für Kleinkunden und Sparer schlechter oder teurer werden wird. Sie bringen den Banken derzeit den geringsten Ertrag.

Deutsche Banken hätten in den letzten Jahren volkswirtschaftlichen Wert vernichtet, sagt Llewellyn. Sie hätten für ihr Eigenkapital nur 4 Prozent Verzinsung erzielt, während die Kapitalkosten bei 8 Prozent lagen. Britische Banken, die sich strikt am "shareholder value" orientieren, hätten hingegen spektakuläre Gewinne eingefahren.