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Big Spender sind hierzulande rar

Von Peter Muzik

Wirtschaft

40 US-Milliardäre wollen gemeinsam 100 Milliarden Dollar lockermachen. | Heimische Stifter scheinen von Charity nur wenig zu halten. | Essl, Haselsteiner und Treichl gelten als Vorbilder. | Der drittreichste Mann der Welt hat sich in den Kopf gesetzt, anderen US-Milliardären "möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen": Im Juni startete Mega-Investor Warren Buffett gemeinsam mit Microsoft-Gründer Bill Gates und dessen Frau Melinda hochoffiziell das Charity-Projekt "The Giving Pledge" ("Das Spendenversprechen"). In kürzester Zeit ist es dabei gelungen, 40 Superreichen das schriftlich formulierte Versprechen abzuringen, spätestens bei ihrem Ableben mindestens die Hälfte ihres Vermögens für karitative Zwecke abzutreten.


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Wobei die Spenden-Euphorie nun auch auf Europa überzugreifen scheint: Denn der Gründer der DM-Drogeriekette Götz Werner folgt dem Vorbild spendierfreudiger US-Milliardäre und überträgt seine Unternehmensanteile an eine gemeinnützige Stiftung. Seine sieben Kinder sieht der deutsche Unternehmer trotzdem versorgt - mit einer guten Ausbildung. "Meine Kinder leiden deswegen nicht, im Gegenteil, die werden gefördert, indem sie sich selbst beweisen müssen", sagte Werner der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Buffett wiederum, der demnächst 80 wird und sein auf 47 Milliarden Dollar (36,21 Milliarden Euro) geschätztes Vermögen mit seinem Tod fast zur Gänze herschenken wird, und Gates, der sich seit Jahren mit seiner Foundation als Phil anthrop betätigt, haben mit ihrer Aktion bislang geschätzte 100 Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke aufgetrieben - zumindest in Form von Zusagen. Zu den edlen Spendern zählen beispielsweise New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, der Medienmogul Ted Turner, Banker David Rockefeller, Hotelier Barron Hilton, der Öl-Tycoon Thomas Boone Pickens oder "Krieg der Sterne"-Regisseur George Lucas.

Egal wofür, es kann letztlich nie genug sein. Die beiden Initiatoren dieser monströsen PR-Kampagne für die reichsten Menschen der Vereinigten Staaten peilen als Ziel an, insgesamt bis zu 600 Milliarden Dollar für karitative Vorhaben aufzustellen. Auch in Zukunft wollen sie befreundete Milliardäre überreden, sich zumindest teilweise von ihrem Reichtum zu trennen und diesen sozusagen der Gesellschaft zurückzugeben. Die unerwartete Großzügigkeit der spendablen US-Milliardäre basiert zwar nicht auf juristischen Verträgen, aber es handle sich - so Buffett - um "ein moralisches Versprechen". Jene, die in Geld schwimmen, werden sich in den Dienst der guten Sache stellen und in bislang nie gekanntem Ausmaß arme, kranke und chancenlose Menschen finanziell unterstützen.

In den USA werden derzeit - bei leicht sinkender Tendenz - sage und schreibe 304 Milliarden Dollar pro Jahr gespendet, wobei etwa ein Siebentel von Millionären kommt. Diese Summe wird nirgendwo in der Welt auch nur annähernd erreicht: Das Spendenaufkommen in Großbritannien beläuft sich zum Beispiel auf rund 13 Milliarden Euro, in Deutschland macht es fünf Milliarden Euro aus. Die Österreicher, die sich insbesondere bei Naturkatastrophen wie etwa dem Haiti-Erdbeben besonders großzügig zeigen, spenden pro Jahr etwa 400 Millionen Euro - 48 Euro pro Einwohner.

Allein die größten 50 karitativen Organisationen können hier zu Lande jährlich mit ungefähr 230 Millionen Euro rechnen, womit ihre Aufwendungen allerdings nur zu einem überraschend kleinen Teil gedeckt sind: Bei der Caritas machen Spenden rund acht, beim Roten Kreuz zehn Prozent aus. Nach dem Rückgang im Krisenjahr 2009 wird heuer allerdings wieder mehr gespendet: Das Aufkommen im ersten Halbjahr nahm laut Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verbands Austria, immerhin um 24 Prozent zu.

Spenden nur zu einem Drittel von Wirtschaft

Das beliebte Klischee, dass die Österreicher Charity-Weltmeister wären, stimmt indes so nicht: Die Briten kommen mit 205 Euro pro Bürger auf das Vierfache, die Deutschen liegen mit 61 Euro ebenso vorne wie die Schweizer mit 71 Euro. Das Österreichische Institut für Spendenwesen hat ermittelt, dass sich zwei von drei Österreicher sozial engagieren und zumindest einmal pro Jahr spenden - Frauen rangieren eindeutig vor Männern, Ältere vor Jüngeren, Landbewohner vor Städtern. Im Spendenbericht 2009 steht obendrein, dass Beamte und Landwirte überdurchschnittlich spendenfreudig sind.

Lediglich ein Drittel des gesamten Spendenaufkommens, das großteils den rund 210 mit dem Spendengütesiegel versehenen karitativen Organisationen zu Gute kommt, stammt von Unternehmen. Das Siegel garantiere ihnen laut Lutschinger, dass das Geld widmungsgemäß und korrekt verwendet werde. Die finanzielle Unterstützung der Betriebe - sei es in Form eines Schecks, einer Sachspende, einer Sponsoringtätigkeit oder einer Kooperation - kommt vor allem den großen, bekannten Nonprofit-Institutionen wie Caritas, Rotes Kreuz oder SOS Kinderdorf zugute (siehe Grafik). Während zahlreiche Firmen es nicht allzu gerne an die große Glocke hängen, wie viel sie tatsächlich spenden, stehen einige Unternehmer öffentlich zu ihren bemerkenswerten Initiativen.

Bestes Beispiel ist Baumax-Boss Martin Essl: Er vergab Mitte April bereits zum dritten Mal den mit einer Million Euro dotierten "Essl Social Prize". In der Wiener Hofburg zeichnete er diesmal den Amerikaner Bill Drayton für dessen Lebenswerk aus. Dieser steht für das aus 2500 Social Entrepreneurs in 70 Ländern bestehende Netzwerk "Ashoka". Essl, der mit seiner Frau Gerda 2008 eine gemeinnützige Privatstiftung gegründet hatte, will mit seiner Foundation "einen substanziellen Teil unseres Vermögens" sozialen Aktivitäten widmen.

Die Unternehmerfamilie, die sich seit 30 Jahren für Menschen mit Behinderung engagiert - jede der 150 Baumax-Filialen arbeitet etwa mit einer lokalen Behinderten-Organisation zusammen -, hat auch bereits einen Österreicher ausgezeichnet, der seit Jahren für eine bemerkenswerte Initiative sorgt: Pater Georg Sporschill kümmert sich seit 19 Jahren in Rumänien, Bulgarien und Moldawien primär um Kinder in Not.

Seine Organisation Concordia hat in Bukarest Straßenkinder betreut, etliche Wohnhäuser für Jugendliche sowie Sozialzentren für ältere Bedürftige errichtet und tausenden Menschen nicht nur Nahrung und eine Unterkunft, sondern auch Chancen für die Zukunft gegeben. Sie wird dabei unter anderen vom Raiffeisen-Konzern sowie von Strabag-Boss Hans Peter Haselsteiner unterstützt, dem solche Projekte schon lange ein Anliegen sind. Auch RZB-Banker Herbert Stepic setzt sich für die Armen ein: Mit seinem vor drei Jahren gegründeten Verein H. Stepic CEE Charity baut er in der Ukraine, Weißrussland und in Serbien ein Waisenhaus, ein Feriendorf, ein Tageszentrum und mehrere Unterkünfte für Jugendliche.

Sechs Stifter planen neues Charity-Projekt

In der Regel stellen am ehesten finanzstarke Konzerne fünf- bis sechsstellige Beträge zur Verfügung: Sie überreichen aber nicht nur Schecks, bevorzugt an eine bestimmte Organisation ihrer Wahl, sondern sponsern diese wahlweise auch in Form von gemeinsamen Aktionen, mit Einkaufsgutscheinen oder sonstigen Sachspenden bzw. Sachleistungen. Die vielfach projektbezogene Unterstützung, beispielsweise die Übernahme von Patenschaften, ist in der Regel langfristig angelegt und das Spektrum der karitativen Aktivitäten ziemlich breit:

Die OMV etwa setzt sich u.a. für die Verbesserung der Grundschulausbildung in Nicaragua ein, indem sie pro an ihren Tankstellen verkauftem Viva-Kaffee einen Cent weiterleitet. Siemens Österreich wiederum stellt Mitarbeiter, die für Hilfsorganisationen tätig sind, bei einem Hochwassereinsatz bei vollen Bezügen vom Dienst frei. Billa steht gemeinsam mit der Caritas sozial schwachen Menschen bei, DM spendet laufend Babywindeln an in Not geratene Jungfamilien, Adeg unterstützt die Rote-Nasen-Clowndoctors, und Merkur fördert schon seit zehn Jahren die Arbeit der Clini-Clowns.

Österreichs Superreiche hingegen, also zum Beispiel die 3300 Stiftungen, machen sich öffentlich kaum als großzügige Spender bemerkbar. Mit geschätzten 20 bis 25 Millionen Euro legen sie auf Charity weitaus weniger Wert als etwa die Schweizer Stifter, die gemäß einer kürzlich fertiggestellten Studie des WU-Instituts für Nonprofit-Forschung 800 Millionen Euro bereitstellen. Ausnahmen wie die Familie Essl bestätigen allerdings die Regel: Auch die von Andreas Treichl geleitete Erste Stiftung ist in karitativer Hinsicht sehr aktiv. Sie wendet pro Jahr zugunsten von Randgruppen und in Not geratener Menschen in rund 60 Fällen insgesamt 2,6 Millionen Euro auf und belegte - auch auf Grund der von ihr gegründeten Zweiten Sparkasse - im jüngsten Corporate Social Responsibility-Ranking des CCC Austria nicht zufällig den ersten Platz.

Treichl macht, ebenso wie Essl, auch bei der jüngst gestarteten Initiative des Holzindustriellen Gerald Schweighofer mit, der in Rumänien längst karitativ tätig ist: Schweighofer hat sich mit fünf anderen Privatstiftungen zusammengetan, um künftig verstärkt gemeinnützige Projekte zu unterstützen und so nebenbei das ramponierte Image der Stifter zu verbessern. Die Details des Projekts sollen in wenigen Wochen offiziell präsentiert werden.