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Biker auf Sobieskis Spuren

Von Ania Haar

Politik
Sie sahen wild aus, als sie die Motorräder vor der Kirche parkten. Doch die polnischen Biker fahren eine karitative Rallye. Hetzmannseder

120 Motorradfahrer kamen zum Jahrestag der Schlacht auf den Kahlenberg.


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Wien. Die Polen haben den Kahlenberg erreicht. Konkret: 120 polnische Motorradfahrer, die am Donnerstag, exakt 330 Jahre nach König Jan III. Sobieski, auf ihrer 7500 Kilometer langen Route einen Umweg gemacht und den Wiener Kahlenberg angesteuert haben. Die mittlerweile 13. Internationalen Motorrad-Rallye Katyn (Miedzynarodowy Motocyklowy Rajd Katynski) soll eigentlich an die Opfer und Orte des Massakers von Katyn erinnern, wo der sowjetischen Geheimdienst NKWD im Jahr 1940 mehr als 4600 polnische Offiziere erschoss. Bei ihrer Fahrt sammeln die Biker Geld für karitative Zwecke. Und sie ist für die 120 Frauen und Männern auch eine Reise an die Orte der polnischen Geschichte in Österreich. In Wien nahmen sie an der Grundsteinlegung für ein Sobieski-Denkmal und einer Festmesse in der Kirche St. Josef auf dem Kahlenberg teil.

"Die Kollegen sind aus zwei Gründen hier", bestätigt Grzegorz Czapla im Gespräch mit der "Wiener Zeitung": "Um die Schlacht am Kahlenberg und die Grundsteinlegung für das Sobieski-Denkmal zu feiern." Denn die Geschichte der Kahlenberg-Schlacht ist für die Polen bis heute bedeutsam. Als sich im Juli 1683 die osmanischen Truppen der Hauptstadt näherten, bat der Habsburger Kaiser Leopold I. verzweifelt den polnischen König Jan III. Sobieski in einem Brief um militärische Unterstützung. Innerhalb kürzester Zeit verließ Sobieski Krakau und ritt mit seiner Kavallerie nach Wien. Am 12. September 1683 gewannen die polnischen Truppen unter Sobieskis Oberbefehl die Schlacht am Kahlenberg. Die polnische Kirche St. Josef auf dem Kahlenberg erinnert bis heute an dieses denkwürdige Ereignis, das die Zweite Türkenbelagerung beendete.

"In der polnischen Geschichte ist es selten vorgekommen, dass ein Pole ein Land gerettet hat", erklärt Czapla stolz. Der 51-Jährige ist bereits vor drei Jahren die 7500 Kilometer lange Route der Biker mitgefahren. Heuer ist er extra nach Wien gekommen, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen und seine Kollegen zu treffen. Die ganze Strecke mitfahren konnte er nicht mehr. Die Errichtung des Sobieski-Denkmals war schon lange im Gespräch, am Donnerstag erfolgte nun endlich die Grundsteinlegung.

Bereits am 8. September wurde in der Kirche St. Josef auf dem Kahlenberg ein Pontifikalamt gefeiert. Anlass war nicht nur der 330. Jahrestag des polnischen Sieges, sondern auch, dass vor genau 30 Jahren der 2005 verstorbene polnische Papst Johannes Paul II. Wien besucht hat. Anwesend waren nicht nur Wiener Polen, sondern auch hochrangige heimische und polnische Vertreter aus Politik und Gesellschaft. Die Veranstaltung in der polnischen Kirche am Kahlenberg ist ein Bestandteil der 22. Polnischen Kulturtage in Österreich.