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Bildung braucht Muße, nicht nur Output

Von Stefan Beig

Politik

Wiener Philosophen feierten Peter Kampits und debattierten. | Fakultät setzt sich für die "Nützlichkeit des Nutzlosen" ein. | Wien. "Bildung - quo vadis?" lautete das Thema des dritten "Dies facultatis" der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft am Donnerstag an der Universität Wien. "Zeugt das vorgegebene Motto nicht von einer tiefen Krise?" Matthias Flattscher, Assistent am Institut für Philosophie, lieferte eine pessimistische Bestandsaufnahme.


"Warum ist jede Bildungspolitik zum Scheitern verurteilt und kann nicht endlich gelingen?", fragte er, nicht ohne Frustration. Die Antwort sieht Flattscher im heute fehlenden Verständnis für Bildung. "Der Bildungsweg beschränkt sich nicht auf konkretes Wissen oder bestimmte intellektuelle Fertigkeiten." Bildung habe ihr Ziel in sich selbst. Die zweckfreie Zeit, die wir ihr widmen, nannten die Griechen "Muße", und gerade die fehle uns heute.

Durch Muße könne "ein weiter Raum entstehen, der Möglichkeiten für Neues und Unerwartetes freigibt." Wer sich jedoch darauf einlässt, kann auch scheitern. "In unserer Produktionsgesellschaft wird alles nur am schnellen Output gemessen, Niederlagen kann man nichts abgewinnen."

Auch Irrwege gehören aber laut Flatscher zum Bildungsweg. "Wenn es einen künftigen Weg für Bildung an der Universität geben soll, braucht es für Lehrende und Studierende diese Freiräume." Es müsse dabei aber "mit dem Unberechenbaren gerechnet werden."

Vor dem Utilitarismus warnte auch der Bildungswissenschafter Wolfgang Horvath. Da Bildung neue Parameter schaffe, könne sie sich ihre Zielsetzungen nicht von der Wirtschaft diktieren lassen.

Lernbereitschaft tut Not

Über eine lernbereite Haltung als Voraussetzung für geglückte Bildung sprach Esther Ramharter vom Institut für Philosophie. Gebildet sein heißt "gelernt haben, sich etwas sagen zu lassen. Es gibt kein Verstehen ohne die Bereitschaft, dem Sprecher grundsätzlich Kompetenz und Ehrlichkeit zu unterstellen." Ramharter zeigte freilich anhand von Immanuel Kant, dass auch Philosophen nicht immer ihren eigenen Ansprüchen genügen. Was Bildung folglich vermitteln kann, ist, sich bewusst zu machen, "ob und wieweit man den Ansprüchen eines Sprechers darauf, wie er selber verstanden werden möchte, folgt."

Dieses Mal endete der "Dies facultatis" mit einer Überraschungsfeier. Dem Dekan, Peter Kampits, wurde anlässlich seines 65. Geburtstags eine Festschrift überreicht. Auch Wissenschaftsminister Johannes Hahn war als ehemaliger Schüler von Kampits zum Festakt gekommen. Der frühere Uni-Rektor Alfred Ebenbauer würdigte den Philosophen als Weltbürger und innovativen Denkmeister. In der Öffentlichkeit ist Peter Kampits vor allem wegen seiner aktiven Teilnahme an der Bio-Ethik-Debatte bekannt.

Liberaler, gerührter Dekan

Dass ökonomische Interessen und philosophisches Suchen nicht immer Hand in Hand gehen, wurde am Ende nochmals deutlich. "Als liberal würde ich Peter Kampits bezeichnen, weil er auch einen Ökonomen als Rektor aushalten kann," meinte Rektor Georg Winckler, seines Zeichens Professor für Volkswirtschaft. "Dass wir einen Ökonomen von der Nützlichkeit des Nutzlosen überzeugen konnten, ist sicher ein großer Verdienst unserer Fakultät", betonte zuletzt ein sichtlich gerührter Peter Kampits.