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"Bildung ist Schlüssel zum Erfolg"

Von Teresa Reiter

Politik
Jordanka Fandakova ist die erste Frau, die in das Bürgermeisteramt der bulgarischen Hauptstadt gewählt wurde.
© Stanislav Jenis

Jordanka Fandakova, Bürgermeisterin von Sofia, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".


Wien. Die konservative Politikerin Jordanka Fandakova ist die erste Frau, die in das Bürgermeisteramt der bulgarischen Hauptstadt gewählt wurde. Mit der "Wiener Zeitung" sprach sie über ihre Vorstellung eines modernen Sofia.

"Wiener Zeitung": Wien und Sofia sind durch die Donau verbunden. Äußert sich das auf irgendeine besondere Art, hinsichtlich der Beziehung der beiden Städte?Jordanka Fandakova: Wir haben schon lange sehr gute Beziehungen zur Stadt Wien. Der Fokus unserer Kooperation war lange Zeit öffentlicher Verkehr, Mobilität und Stadtökonomie. Nun wollen wir uns die Wohnbaupolitik von Wien ansehen, vielleicht können wir da etwas lernen. Es gibt auch viele Beziehungen im Kulturbereich. Die Donau spielt insofern eine Rolle, dass wir vor kurzem Teil der Donaustrategie geworden sind, der Strategie der Europäischen Kommission zur Entwicklung der Donaustaaten. Nach den Regeln dieses Papiers werden wir bald gemeinsame Projekte mit Wien haben, hauptsächlich bezieht sich das aber auf den Kulturbereich.

Sie waren dieses Jahr viel in den Medien, weil Sie einen Fackelzug zu Ehren eines bulgarischen Generals verboten haben, der bekannt für seine Beziehungen zu den Nazis im Zweiten Weltkrieg war. Wieso hat das die Menschen so überrascht?

Sofia ist seit tausend Jahren eine Stadt der Toleranz. Im Bereich der Religion sowie in Hinblick auf ethnischen Gruppen. Die Zeiten sind schwer genug, daher möchten wir diese Tradition beibehalten und weiter wachsen lassen. Vor mehr als 1500 Jahren wurde das Toleranzedikt des Galerius herausgegeben, das die Christenverfolgung beenden sollte. Wir leben das heute weiter. Es ist nicht das erste Mal, dass dieser Fackelzug verboten wurde. Ich weiß nicht, warum es dieses Jahr so einen Wind darum gab. Ich bin als Bürgermeisterin verpflichtet, die demokratischen Rechte aller Organisationen zu schützen und gleichzeitig niemandem zu erlauben, Intoleranz zu propagieren.

Als Bürgermeisterin betonen Sie immer wieder, wie wichtig Ihnen Umweltpolitik in der Stadt ist. Auch im Budget für 2015 gibt es dafür einen recht großen Posten. Worin wird genau investiert?

Es stimmt, dass für uns die Politikfelder am wichtigsten sind, die damit zu tun haben, unsere Umwelt sauber zu halten, innerhalb der Stadt, aber nicht nur. Die Basis dafür sind unsere Priorisierung von Transport- und Bildungspolitik sowie die Entwicklung der städtischen Grünflächen. In den vergangenen Jahren haben wir sehr viel in die Öffis investiert. Etwa eine halbe Milliarde Euro wurde in den Bau der U-Bahn gesteckt und mehr als 200 Millionen in die Verbesserung des restlichen öffentlichen Verkehrs. Gleichzeitig haben wir 200 Millionen in den Ausbau des Abfallmanagementsystems investiert und wir fördern den Bau von energieeffizienten öffentlichen Gebäuden stark. Sofia ist eine sehr grüne Stadt und die Parks und anderen Grünflächen liegen uns sehr am Herzen.

Wie viel Geld hat Sofia von der Europäischen Union für all diese Projekte erhalten?

Bisher haben wir etwa Projekte im Wert von 1,5 Milliarden Euro realisiert, die EU war Hauptgeldgeber und die Stadt Sofia Co-Finanzierungspartner und hat ein Drittel des Geldes beigesteuert. Es gehört zu den Regeln der europäischen Funds, dass man die Kosten teilen muss. Wir interessieren uns jetzt auch sehr für die Möglichkeiten, die der Juncker-Plan unseren Bürgern bieten könnte.

Sofia gilt als Vorreiter in der Start-up-Szene auf dem Balkan, doch Jungunternehmer klagen über die mangelnde öffentliche Unterstützungs-Struktur. Was tut die Stadt, um junges Unternehmertum zu fördern?

Wie ich schon gesagt habe, ist eine unserer wichtigsten Prioritäten Bildung. In 80 Prozent der Schulen und Kindergärten in Sofia gibt es ein Programm, das unternehmerisches Denken lehren soll. Von meinem professionellen Hintergrund her komme ich aus dem Bildungsbereich. Als ich dort noch tätig war, habe ich die offiziellen Businessbildungsprogramme implementiert und für mich ist das ein sehr wesentlicher Punkt, der wichtig für den gesellschaftlichen Wandel ist. Im Moment ziehen wir Programme im Feld der Berufsausbildung auf, die eine direkte Verbindung zwischen den Unternehmen und den Schulen darstellen sollen.

Bulgarien hat es in letzter Zeit öfter in internationale Medien geschafft, weil in der politischen Szene angeblich ein Wandel stattfindet und überdurchschnittlich viele Frauen in politischen Führungspositionen sitzen...

Ich bin selbst die erste Frau, die das Bürgermeisteramt der Stadt Sofia innehat. Im Moment sitzen in Schlüsselpositionen des Landes eine Menge Frauen. Ich gebe zu, dass es wirklich nicht einfach war, das zu erreichen. Besonders Gerb, die politische Partei, der ich angehöre (bulgarische Konservative, Anm.), hat es sich zum Ziel gesetzt, Geschlechtergerechtigkeit voranzutreiben. Ich bin stellvertretende Vorsitzende dieser Partei. Die Hälfte meiner Vizebürgermeister sind ebenfalls Frauen, ebenso wie die Vorsitzende der Nationalversammlung und die Hälfte der Regierungsmitglieder von Gerb. Also ja, ich glaube wir gehen mit gutem Beispiel voran und ich wünsche mir, dass alle anderen folgen.