Zum Hauptinhalt springen

Bildungsfahrplan abgesegnet

Von Peter Wötzl

Politik
Die schulische Tagesbetreuung wird ausgebaut - bis 2014 werden 320 Millionen Euro investiert. Foto: bilderbox

Koalition feilt an Gesetzesvorlage bis zum Sommer. | Mittlere Reife für SPÖ "Totgeburt". | Wien. Wesentliche Punkte der Schulreform stehen auf Schiene. Ein entsprechender Fahrplan wurde beim Ministerrat am Dienstag von Bildungsministerin Claudia Schmied vorgelegt. In enger Abstimmung mit dem Koalitionspartner ÖVP, wie Schmied betonte, konnte sich die Regierung auf ein "Paket für höchste Bildungsqualität" einigen. Nach den jetzt folgenden Detailverhandlungen soll bis Sommer ein Gesetzesentwurf vorgelegt werden.


Sitzenbleiben ist künftig so gut wie abgeschafft. Derzeit laufen 15 Schulversuche zur Erprobung der so genannten "modularen Oberstufe". Sitzenbleiben wird durch das Wiederholen einzelner Module ersetzt. Hat ein Schüler demnach Schwächen in einem Fach, gibt es künftig in der nächsten Klasse einen zusätzlichen Unterricht (von einem anderen Lehrer) und der Schüler muss nicht die ganze Klasse wiederholen. Natürlich gibt es eine Grenze, hat ein Schüler in vier bis fünf Fächern ein "Nicht Genügend", ist eine Wiederholung kaum vermeidbar. Dazu ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon: "Wir wollen Klassenwiederholungen reduzieren. Sie soll es nur noch als Ultima Ratio geben." Ab dem Schuljahr 2012/13 sollen AHS und berufsbildende mittlere und höhere Schulen (BMHS) stufenweise auf ein flexibles Kurssystem umgestellt werden.

Weitere Änderungen: Durch eine Landeslehrer-Dienstrechtsnovelle können diese Pädagogen künftig auch für den Unterricht an Bundesschulen herangezogen werden. Das betrifft vor allem auch den Unterricht an der Neuen Mittelschule. Derzeit können Landeslehrer nur zur Betreuung von Kindern mit sonderpädagogischen Förderbedarf an Bundesschulen verwendet werden.

SPÖ-Bildungssprecher Elmar Mayer verweist im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" vor allem auf den im Bildungsplan festgelegten Ausbau von ganztägigen Schulformen. Mayer: "Bis 2014 werden 320 Millionen Euro investiert. Das sind separate Geldmittel, die bisher nicht budgetiert waren." Mayer setzt auf ein verschränktes Angebot von Unterricht und Freizeit. Mayer: "Das entspricht Erkenntnissen anderer Länder und der Bildungsforschung." Ziel ist der Ausbau des Angebots von derzeit 105.000 auf 160.000 Plätze bis 2014. Inklusive Hort-Angebote sollen bis dahin bundesweit insgesamt 210.000 Plätze zur Verfügung stehen.

Ab Herbst 117 weitereNeue Mittelschulen

Die Regierung bereitet auch eine gesetzliche Umstellung aller Hauptschulen in Neue Mittelschulen vor. Ab September 2011 sollen zu den bestehenden 320 Neuen Mittelschulen 117 weitere dazukommen. Mit Auslaufen der letzten Hauptschulklassen 2019/20 soll es dann keine Hauptschulen mehr geben. Kriterien für eine Umstellung wurden im Bildungsplan festgeschrieben: Team-Teaching, innere Differenzierung und keine Selektion vor Ende der 8. Schulstufe.

Gestärkt werden auch die Schulleiterprofile. Dazu zählen Qualitätsmanagement und Personalführung. Selbst aussuchen können sich die Schuldirektoren ihre Lehrer aber auch weiterhin nicht.

Ebenfalls im Regierungsplan enthalten ist die Erweiterung der Integration von Schülern mit besonderen Bedürfnissen oder sonderpädagogischem Förderbedarf nach der 8. Schulstufe.

Strittig bleibt das Thema "mittlere Reife". Für die ÖVP weiterhin als mögliches Bildungsziel bei der Polytechnischen Schule anvisiert, will die SPÖ keine zusätzlichen Hürden und spricht von einer "Totgeburt".