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Bildungsfreudige Firmen vor den Vorhang

Von Petra Medek

Wirtschaft

Um Unternehmen im IT-Sektor die permanente und systematische Weiterbildung ihrer Mitarbeiter schmackhaft zu machen, haben WKÖ und GPA nun ein Bildungszertifikat ins Leben gerufen.


Jene Betriebe, die sich um das Zertifikat bemühen, stellen sich damit freiwillig der Kontrolle ihrer Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen durch eine Audit-Kommission. Für die Zertifizierung sind 1.600 Euro plus Steuer zu berappen, die Einhaltung der genau festgelegten Anforderungen wird auch nach der Vergabe des Zertifikates überprüft.

Nachahmung erwünscht

Die Zertifizierung, die für drei Jahre gilt, ist freiwillig, wird den Betrieben im IT-Kollektivvertrag aber ausdrücklich empfohlen. Damit nimmt der gewerbliche IT-Sektor mit seinen rund 20.000 Betrieben eine Vorreiterrolle ein und soll als gutes Beispiel für andere Branchen dienen, erklärte Paul Michal, Obmann der Berufsgruppen der Informationstechnologen im Fachverband Unternehmensberatung und Informationstechnologie (UBIT) der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), am Dienstag vor Journalisten. Es gebe zwar ähnliche Ansätze bei der deutschen IG Metall, die kollektivvertragliche Vereinbarung sei aber EU-weit einzigartig, betonte Karl Proyer von der GPA gegenüber der "Wiener Zeitung".

Ziel des Zertifikates sei es, jene Unternehmen vor den Vorhang zu bitten, die die systematische Weiterbildung ihrer Mitarbeiter vorantreiben.

Ältere qualifizieren

Eines der Kriterien für das Zertifikat ist der diskriminierungsfreie Zugang zu Bildungsmaßnahmen für alle Mitarbeiter, also auch für Ältere. "Die Qualifizierung älterer Arbeitnehmer in diesem Bereich wird immer drängender", weiß Proyer. Dabei sei die Branche längst nicht mehr von den "Youngsters" dominiert; den Anteil der über 50-Jährigen am IT-Sektor schätzt der GPA-Experte auf rund ein Drittel, das sind etwa 10.000 Arbeitnehmer.

Es sei extrem kurzsichtig von Unternehmen, ältere - und somit für sie teurere - Mitarbeiter durch jüngere zu ersetzen und damit auf wichtiges Knowhow zu verzichten. Denn Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter sind unerlässlich für die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens und sichern langfristig Arbeitsplätze in Österreich, sind sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter einig.

Die Administration wird durch incite, Weiterbildungsinstitut des Fachverbandes Unternehmensberatung und Informationstechnologie der WKÖ, übernommen. Nach einem Jahr soll das Procedere durch Fachverband und GPA überprüft werden.

Auf der Homepage http://www.bildungszertifizierung.at , die demnächst freigeschaltet werden soll, wird unter anderem ein Verzeichnis der zertifizierten Unternehmen veröffentlicht.