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Bildungspolitik als Spielball

Von Barbara Ottawa und Walter Hämmerle

Wissen

Als Spielball im Hickhack zwischen Regierung und Opposition sieht der Rektor der Universität Wien, Georg Winckler, die Bildungspolitik in Österreich. Ohne ein Mehr an Rationalität und Sachlichkeit in der Diskussion sieht er kaum Chancen, dass die Universitäten den ihnen gebührenden Platz im öffentlichen Bewusstsein und in Finanzfragen erlangen.


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Der Wiener Philosoph Konrad Liessmann sorgte erst jüngst mit der Behauptung, nirgendwo werde soviel gelogen wie in der Bildungspolitik, für Aufsehen. Dem kann auch Winckler etwas abgewinnen: "Derzeit ist es so, dass die Bildungspolitik der Opposition dazu dient, die Regierung zu kritisieren, während die Regierung alles daran setzt, die vorhandenen Daten und Fakten so schön wie möglich darzustellen." Generell werde der Bildungspolitik nicht der ihr gebührende Stellenwert zugestanden - weder seitens der Politik noch in der Gesellschaft.

Winckler vermisst in der ganzen bildungspolitischen Debatte ein Mindestmaß an Rationalität. Als ersten Schritt zu diesem Ziel könnte sich der Rektor eine parlamentarische Enquete zum Thema Hochschulpolitik vorstellen. In dieser müsste Sachlichkeit vor Parteipolitik stehen.

Diese Defizite spiegeln sich für Winckler auch in der Budgetsituation der Hochschulen wider. Wenngleich er zugesteht, dass es bei einem Budget von der Größenordnung der Uni Wien - heuer beläuft sich dieses auf 243,3 Mio. Euro - mittelfristig auch Spielraum für Verschiebungen gibt. Möglichkeiten dazu sieht er vor allem in einer verbesserten Abstimmung mit den Angeboten anderer Universitäten am Hochschulplatz Wien. "Wir brauchen im Wiener Raum eine optimale Mischung aus Konkurrenz und Kooperation" - nicht zuletzt im Hinblick auf die in den kommenden Jahren zahlreich anstehenden Neubesetzungen von Professorenstellen.

Im Sinne einer verbesserten Ressourcennutzung ist es für ihn etwa vorstellbar, den Bereich der theoretischen Physik an der Uni Wien zu konzentrieren und jenen der technischen Physik an der TU Wien. Eine gesunde Konkurrenz zwischen Uni Wien und der WU Wien sieht Winckler am Beispiel des Betriebswirtschaftszentrums. Raum für Kooperationen und Synergien sieht Winckler dagegen im Bereich der Molekularbiologie mit der neu gegründeten Medizin Uni.

Nicht rütteln will der Rektor an so genannten "Orchideen-Studien": "Diese gehören zur Uni Wien dazu und machen ihre Stärke aus", ist Winckler überzeugt. Trotzdem sieht er in diesem Bereich die Notwendigkeit zu Schwerpunktsetzungen.

Ein klares Bekenntnis legt Winckler zur künftigen Leistungsfinanzierung der Universitäten ab. Hier auf einen gemeinsamen Nenner mit der Bildungsministerium zu kommen, werde dennoch schwierig werden. Die Lösung sieht er in der Erarbeitung von Kennziffern für die Leistungserstellung. Derzeit habe man sich jedenfalls erst auf einen Verhandlungszeitplan geeinigt. Vorgesehen ist, dass bereits für das Budget 2007 die so genannten Leistungsvereinbarungen herangezogen werden sollen.