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Bildungspolitik m.b.H.

Von Reinhard Göweil

Leitartikel
Chefredakteur Reinhard Göweil.

Der Schadenersatz, den die Republik einem Grazer Medizinstudenten zahlen muss, weil der unverschuldet später mit dem Studium fertig wurde, hat zur ministeriellen Forderung nach generellen Zugangsbeschränkungen geführt. Der aktuelle Fachhochschul-Finanzplan geht davon aus, dass im laufenden Jahr 34.000 Personen an einer FH studieren. Tatsächlich sind es 41.000. Der sogenannte tertiäre Bildungssektor stößt überall an seine Grenzen - von der Kapazität und den Finanzen.

Das ist schon ein interessanter Zugang zur Bildungspolitik: Mehr Geld und Studienplätze gibt es nicht, Unis und FHs müssen halt selektieren. Also wird "rausgeprüft", was das Zeug hält - Talent und Wille junger Menschen, sich hohe Bildung anzueignen, zählen dabei nicht. Aber was passiert wohl in einer Gesellschaft, die ihrer Jugend signalisiert: Im Moment ist das Geld knapp, wir können leider nichts für euch tun? Richtig. Nichts Gutes.

Diese Bildungspolitik mit beschränkter Haftung ist die Bankrotterklärung einer Politik, die Innovationen nicht mehr zulässt, und von Parteien, die ihren jeweiligen Dogmen verhaftet sind.

Steuergeld ist eine endliche Ressource, ja, aber zur politischen Klugheit gehört es, am richtigen Platz zu sparen. Den Bildungssektor quasi einzufrieren, hat wenig Sinn. Hochschulpolitik erschöpft sich derzeit darin, den Universitäten Zugangsbeschränkungen nahezulegen und Linz eine "Med-Uni" als Karotte vor die Nase zu hängen.

Neue Studienrichtungen? Anreize für eine größere Internationalisierung des hochschulischen Bereichs? Ausbau der Fremdsprachen-Kenntnisse junger Menschen? Fehlanzeige. Österreich verlangt mit großem Pomp von Zuwanderern, Deutsch zu lernen. Nun, viele Unternehmen im Land wären froh, am Ende gut Ausgebildete zu erhalten, die Türkisch oder eine slawische Sprache beherrschen. Warum wird das nicht stärker gefordert und gefördert?

Weil kein Geld dafür da ist, so die Standard-Antwort der Politik. Falsch, es wäre da. Doch dies würde bedeuten, historisch gewachsene Pfründe zu überwinden und so manch mächtiger Lobby mit Schulterzucken zu begegnen statt mit Nicken. Auch politischer Mut bevorzugt die Gesellschaftsform der beschränkten Haftung.