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Billiges Öl erhöht privaten Konsum

Von Brigitte Pechar

Wirtschaft

Ökonom Scheiblecker: Niedriger Rohölpreis könnte sich ab dem 3. Quartal 2015 positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirken.


Wien. Der Ölpreis steht auch am Beginn der neuen Handelswoche unter Druck. So notierte der als wichtige Ölpreisbenchmark geltende Future auf die Rohölsorte Brent am Montag Vormittag in London bei 48,82 Dollar je Barrel (159 Liter). Am Freitag notierte der Brent-Future zuletzt bei 50,11 Dollar. Der Preis für Opec-Öl ist am Freitag auf 45,19 Dollar pro Barrel gesunken. Der Opec-Preis setzt sich aus einem Korb von zwölf Sorten zusammen. Zum Vergleich: Vor einem Jahr kostete ein Barrel Brent noch 108,70 US-Dollar.

Seit Sommer 2014 sind die Ölpreise um mehr als die Hälfte eingebrochen. Schuld daran ist ein zu hohes Angebot auf dem Weltmarkt. Das Ölkartell Opec hat unter Führung von Saudi-Arabien bisher nicht mit einer Produktionskürzung auf den Preissturz reagiert. Einige Experten erwarten erst für die zweite Jahreshälfte eine gewisse Preiserholung, wenn dann die Nachfrage nach Öl saisonal bedingt wieder steigt.

Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass ein weiteres Sinken der Erdölpreise durchaus positive Effekte auf das Wirtschaftswachstum haben könnte, weil niedrige Ölpreise die Inflation drücken und somit in den Privathaushalten Geld für andere Investitionen bleibt. "Die Verbraucher und Unternehmen müssen dafür weniger ausgeben und können mehr konsumieren und investieren", hat etwa der deutsche Bundesbankpräsident Jens Weidmann dazu bereits angemerkt.

Der niedrige Ölpreis könnte laut Ökonomen vor allem den Privatkonsum anregen. Denn laut einer alten Faustregel in den USA bedeutet ein Cent weniger Treibstoffkosten eine Milliarde Dollar mehr frei verfügbares Einkommen. Dementsprechend dürfte der Ölpreisrutsch wie ein riesiges Konjunkturprogramm wirken. "Das ist wie eine riesige Steuersenkung für die ganze Welt", meinte Laurence Fink, Chef des Vermögensverwalters Black Rock, im US-Wirtschaftskanal CNBC.

In Euro beziffern will der Ökonom Marcus Scheiblecker vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) die Auswirkungen des niedrigen Ölpreises für Österreich nicht. Allerdings gebe es auch hier eine Faustregel: Demnach sollte ein Sinken des Ölpreises pro Barrel um 10 Euro das Wirtschaftswachstum um 0,1 Prozent ankurbeln. Natürlich komme es darauf an, ob die Konsumenten eine Phase permanent niedriger Rohstoffpreise erwarten oder ob angenommen werde, dass der Ölpreis wieder in die Höhe geht. Im zweiten Fall sei zu erwarten, dass niedrigere Kosten für Benzin oder Heizöl eher in die Sparquote gehen.

Das Wifo, sagt Scheiblecker, habe zwar in seiner Prognose, die für heuer von einem Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent ausgeht, den Erdölpreis als einen der wichtigsten Wachstumsimpulse bereits drinnen. "Aber das Ausmaß des Rohölpreisverfalls überrascht auch uns." Scheiblecker geht davon aus, dass sich der niedrige Ölpreis nicht nur auf den privaten Konsum, sondern auch auf die Betriebe positiv auswirken wird - gemeinsam mit dem niedrigen Euro, der Unternehmen in Dollar-Märkten Vorteile verschafft.

Im ersten Quartal 2015 sieht der Ökonom aber noch eine Stagnation der Wirtschaft. Mit dem dritten Quartal dürfte allerdings das Wachstum kräftiger ausfallen, als die Prognose vorhergesehen hat. Und ab 2016 könnte es dann wirklich wieder bergauf gehen. Der Ölpreisverfall komme jedenfalls goldrichtig, denn "die Wirtschaft giert nach jedem positiven Impuls".