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Billiglohnjobs sollen attraktiv werden

Von Brigitte Pechar

Politik

Im Juli waren 10.808 Menschen langzeitarbeitslos und 40.000 in Schulung. Damit vor allem junge Menschen nicht zu lange aus dem Arbeitsprozess fallen und ältere Menschen wiedereinsteigen können, soll ab 2006 ein Kombilohn-Modell eingeführt werden, das diese Menschen in Billiglohnjobs eingliedern hilft. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein präzisierte am Donnerstag dieses Modell in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Dieser rechnete vor, dass durch die verschiedenen seit 2002 gesetzten Maßnahmen 150.000 Jobs geschaffen oder gesichert werden konnten.


Ab nächstem Jahr soll der Lohn von Langzeitarbeitslosen, die einen Arbeitsplatz mit bis zu 1.048 Euro brutto monatlich annehmen, aus Mitteln des Arbeitsmarktservice (AMS) mitfinanziert werden. Der Arbeitgeber soll künftig pauschal 15 Prozent des Einkommens erhalten, um damit die Lohnnebenkosten des Beschäftigten auf de facto 25 Prozent senken zu können. Der Zuschuss aus den AMS-Geldern für den Beschäftigten wird - je nach Lohnhöhe - zwischen 5 und 50 Prozent des zuletzt bezogenen Arbeitslosengeldes betragen.

Zielgruppe sind junge Arbeitslose bis zu 25 Jahre, die länger als sechs Monate beschäftigungslos und Menschen ab 45, die länger als ein Jahr beschäftigungslos waren. Demnach rechnet AMS-Vorstand Herbert Buchinger damit, dass rund 45.000 ältere Menschen in dieses Programm fallen werden. Bei den Jungen wird die Zahl in den nächsten Tagen nachgeliefert.

http://www.wienerzeitung.at/bilder/apa/120805grafikarbeitslos.gif Arbeitslos und beschäftigungslos sind nämlich unterschiedliche Begriffe. Wenn die Arbeitslosigkeit durch eine Schulung unterbrochen wird, beginnt danach die Zählung von vorne. Allerdings ist man seit Beginn der Arbeitslosigkeit beschäftigungslos.

Die Aktion soll auf zunächst ein Jahr beschränkt bleiben und dann evaluiert werden. Laut AMS können derzeit 5.000 Arbeitsplätze nicht besetzt werden, weil dort zu wenig Lohn bezahlt werde, hieß es.

Kostenberechnungen für den Kombilohn liegen noch nicht vor. "Im Idealfall könnte das Modell sehr kostengünstig werden", meinte Bartenstein. AMS-Chef Buchinger glaubt allerdings, dass das netto eine Menge kosten könnte.

Der Finanzminister legte eine Zusammenfassung der bisherigen konjunktur- und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen vor. Grasser stützte sich dabei auf Berechnungen des Wifo, des IHS und seines Hauses. So seien seit 2002 durch die verschiedenen Maßnahmen insgesamt 81.000 Arbeitsplätze geschaffen beziehungsweise gesichert worden. Für das kommende Jahr zählte Grasser weitere 53.000 Jobs dazu. Alleine die am vergangenen Montag präsentierte Regionale Beschäftigungs- und Wachstumsoffensive soll 20.000 Jobs sichern oder schaffen. Wifo-Experte Walterskirchen bezweifelt allerdings, diesen hohen Effekt. Den Wachstumseffekt bezifferte Grasser für 2005 mit 0,7 Prozent. Insgesamt wird für heuer ein Wachstum von 1,8 Prozent prognostiziert.