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Billionen für den Klimaschutz

Von WZ-Korrespondent Wolfgang Tucek

Wirtschaft
Saubere Windkraft: Die EU forciert den Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen. Foto: corbis

Größtes Potenzial beim Energiesparen. | Klimaneutrale Stromerzeugung bis 2050 angestrebt. | Brüssel. Der Klimaschutz und die dafür nötige Komplettumstellung der EU-Wirtschaft erfordern massive Investitionen: 270 Milliarden Euro pro Jahr müssten über die kommenden 40 Jahre investiert werden, heißt es in einem noch internen Entwurf des "Fahrplans für eine kohlenstoffarme Wirtschaft bis 2050".


Fließen müsse das Geld in erneuerbare Energiequellen, intelligente Netze, Passivhäuser, Einlagerung von Kohlendioxid aus Industrieabgasen, modernere Industrieanlagen und die Umstellung des Transportsektors auf Strombetrieb. Im März will Klimaschutzkommissarin Connie Hedegaard ihr Strategiepapier vorstellen, dessen aktuelle Version der "Wiener Zeitung" vorliegt.

Sinn des Kraftakts ist die Umsetzung des bereits 2009 von den EU-Staats- und Regierungschefs vereinbarten Ziels, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80 bis 95 Prozent gegenüber dem Ausstoß von 1990 zurückzufahren.

1,5 Prozent derWirtschaftsleistung

Damit will die EU dazu beitragen, die Erwärmung des Erdklimas auf höchstens zwei Grad zu begrenzen, um unumkehrbare Klimaveränderungen abzuwenden. Diese hätten laut Experten zunehmend unberechenbare Sturmfluten und Trockenheiten rund um den Erdball zur Folge.

Der zusätzlich nötige Betrag von 270 Milliarden Euro pro Jahr klingt zwar horrend - es handelt sich um 1,5 Prozent der EU-Wirtschaftsleistung -, doch werde damit bloß das Investitionsniveau von vor der Krise erreicht, argumentieren Hedegaards Beamte. Heute lägen die gesamten Investitionen bloß bei rund 19 Prozent. Zu Vergleich: China investiert 48 Prozent seines BIP in die Modernisierung seiner Wirtschaft, Indien 35 Prozent und Korea 26 Prozent. Es gehe also für die EU um nicht weniger als die Vorreiterrolle beim Klimaschutz. Dafür will die Kommission ein paar Wegmarken zum Ziel von 80 Prozent weniger Treibhausgase bis 2050 vorschlagen; den Rest will sie sich durch Klimaschutzinvestitionen in Entwicklungsländern anrechnen lassen. So könnten bis 2020 schon 25 Prozent weniger emittiert werden - statt der bisher anvisierten 20 Prozent. Bis 2030 müssten die Emissionen um 40 Prozent gesenkt werden, bis 2040 um 60 Prozent. Die meisten Reduktionen könnten durch das Energiesparen erzielt werden, wird betont. Es müsse bloß das bisher nicht verbindliche Ziel von 20 Prozent mehr Energieeffizienz bis 2020 eingehalten werden, bei dem die Mitgliedstaaten noch grob hinterher hinken.

Es handle sich daher bei den 25 Prozent um keine neue Vorgabe, sagte ein Sprecher von Hedegaard. Der Wert habe auch nichts mit jenen 30 Prozent bis 2020 zu tun, zu denen sich die EU verpflichten würde, wenn andere Industrieländer mitziehen würden.

Durch die Energiesparmaßnahmen könnten im Schnitt über die nächsten 40 Jahre gesehen jährlich zwischen 175 und 320 Milliarden Euro pro Jahr eingespart werden, heißt es in dem Entwurf - und die Investitionen damit zumindest zu einem großen Teil wieder hereingeholt werden. Klar sei freilich, dass die Investitionen sofort starten müssten, da das Gros der Ersparnisse erst gegen Ende anfalle, hieß es.

Maßnahmen betreffen alle Bereiche

Und die Maßnahmen sollen alle Bereiche betreffen: Strom soll bis 2050 zu fast 100 Prozent mit Hilfe kohlenstoffarmer Technologien erzeugt werden, also aus erneuerbaren Quellen wie Wasser, Wind, Sonne - und Atomkraft - stammen. Derzeit liege der Anteil bei rund 45 Prozent; vor allem durch den Ausbau der Erneuerbaren sollten die Richtwerte 60 Prozent bis 2020 und 75 bis 80 Prozent bis 2030 erreichbar sein. Die Emissionen der Industrie sollen bis 2050 um 83 bis 87 Prozent reduziert werden, die des Transportsektors um 60 bis 75 Prozent. Um bis zu 90 Prozent könnten die Emissionen bis 2050 im Immobiliensektor reduziert werden.