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"Bin zutiefst besorgt über den Iran"

Von Alexander U. Mathé

Politik

Nordkorea als Vorbild für den Iran. | Empfehlung zu Verhandlung mit EU.


"Wiener Zeitung": Die Hoffnungen auf eine friedliche Lösung im Atomstreit mit dem Iran sind stark gesunken, nachdem Teheran sich weigert, die umstrittene Urananreicherung auszusetzen. Wie stellt sich Ihnen die Situation dar?Ban Ki Moon: Es ist in der Tat sehr bedauerlich, dass der Iran am Ende die Resolution des Sicherheitsrats nicht erfüllt hat. Ich bin zutiefst besorgt. Es ist äußerst unselig, wie sich dieser Streit weiterentwickelt. Die Regierung in Teheran sollte doch eine bessere Zukunft für ihr Volk anstreben.

Was wird als nächstes passieren?

Nachdem der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde, Mohammed ElBaradei, ihm seinen Bericht über den Iran vorgelegt hat, wird der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen über die nächsten Schritte beraten. Dieser hat ja bereits vergangenen Dezember Sanktionen gegen den Iran verhängt. Mehrere Mitgliedstaaten des Sicherheitsrats haben bereits konkrete Vorschläge über die Art der Sanktionen gemacht.

Lassen sich gravierende Konsequenzen verhindern?

Selbst jetzt noch würde ich dem Iran dringend empfehlen, mit der Europäischen Union in Verhandlungen zu treten, um die Chance auf eine Einigung in Frieden zu wahren.

Ist die EU der Schlüssel zur Lösung des Konflikts?

Die Union hat die Verhandlungen von Anfang an geführt und das ganze Paket mit wirtschaftlichen Anreizen für den Iran geschnürt. Es ist mir noch immer unverständlich, wie Teheran dieses Paket ablehnen konnte.

Wie reizvoll wäre dieses Paket für den Iran?

Teheran sollte vom Beispiel Nordkorea lernen. Die Regierung in Pjöngjang hat eingewilligt, alle Atomprogramme einzustellen und nukleare Waffen abzuschaffen. Dadurch haben sie jetzt eine gute politische Perspektive. Sie bekommen Wirtschaftshilfe und die diplomatischen Beziehungen zu den USA und Japan normalisieren sich.

Wie wahrscheinlich ist es, dass die US-Regierung im Atomstreit mit dem Iran die Initiative ergreift?

Ich habe am Mittwoch mit US-Außenministerin Condoleezza Rice gesprochen. Sie hat mir gesagt, dass die USA dem Iran Gesprächsbereitschaft zugesichert haben. Voraussetzung dafür ist und bleibt aber die Aussetzung der Urananreicherung. Dabei handelt es sich aber nicht nur um einen Wunsch der USA, sondern das ist vor allem die Entscheidung des UN-Sicherheitsrats.

Wie groß ist die Gefahr, dass es zu einem Krieg kommt?

Die beste und erstrebenswerteste Lösung eines Konflikts führt immer über den Dialog.