Zum Hauptinhalt springen

Bio-Gärtnerei Werner Haas kämpft ums Überleben

Von Kid Möchel

Wirtschaft

|Die Gebietskrankenkasse Steiermark hat 50.000 Basilikumpflanzen gerichtlich pfänden lassen.|Die Pleite gefährdet jetzt 23 Arbeitsplätze.


Lannach. Das Gartenbauunternehmen Werner Haas hat sich auf den Bio-Gartenbau spezialisiert. Die steirische Gärtnerei beliefere die OBI-Baumärkte und den Lebensmitteldiskonter Hofer mit Bio-Pflanzen. Doch der Lieferant von Bio-Kräutern sitzt derzeit auf dem Trockenen. 23 Arbeitsplätze sind stark gefährdet.

Am Montag wurde laut Rene Jonke vom KSV1870 in Graz ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet, da der Betrieb rund 4,26 Millionen Euro Schulden angehäuft hat; davon 1,73 Millionen Euro bei der Steiermärkischen Bank und Sparkassen AG und 1,43 Millionen Euro bei der Raiffeisenbank Unterpremstätten. Die Aktiva werden mit 3,5 Millionen Euro beziffert, das freie Vermögen beträgt aber lediglich 501.000 Euro. Denn der Großteil der Aktiva, die Liegenschaften, ist an die beiden Banken verpfändet.

Apropos Pfändung: Laut Insolvenzantrag hat die Gebietskrankenkasse Steiermark am 14. Juni wegen offener Beiträge durch einen Gerichtsvollzieher 50.000 Basilikumpflanzen und 10.000 Schnittlauchtöpfe in der Lannacher Gärtnerei pfänden lassen, die eigentlich an den Diskonter Hofer geliefert hätten werden sollen. Am Mittwoch sollen die Kräuter öffentlich versteigert werden.

"Es ist vollkommen illusorisch, dass auch nur annähernd der Preis erzielt werden könnte, den der Kunde für die von ihm bestellte Ware zu zahlen bereit ist", schreibt Firmenanwalt Helmut Klementschitz an das Landesgericht Graz. Außerdem würde Werner Haas die Pflänzchen dringend für die Erfüllung des Lieferkontrakts mit dem Kunden Hofer benötigen - von der "Verderblichkeit" der Ware ganz abgesehen. Der Unternehmensanwalt will nun vom Insolvenzgericht prüfen lassen, ob die Pfändung kurz vor der Insolvenzeröffnung überhaupt rechtmäßig erfolgt ist.

Die Gärtnerei von Werner Haas kämpft seit Jahren mit Schwierigkeiten.  Denn schon 2003 kam es zur ersten Insolvenz, die mit einem Zwangsausgleich behoben wurde. Doch die Verbindlichkeiten bei den Kreditinstituten "blieben jedoch aufrecht", heißt es im Insolvenzantrag weiter. Von diesen Banken wurden auch keine Betriebsmittelkredite mehr eingeräumt, was die Lage erschwerte.

Zwei Konkursanträge der Krankenkasse in den Jahren 2008 und 2009 konnten noch in letzter Minute durch Zahlungen gebügelt werden. Doch der Verlust des Auftrags Baumarktkette OBI verursachte einen Nettoumsatzentgang von 300.000 Euro. Diese Lücke konnte nicht durch Neuaufträge ausgeglichen werden.

Jetzt will Werner Haas seinen Bio-Gartenbaubetrieb nochmals hochziehen, dazu müssten aber die beiden Gläubigerbanken erneut  sogenannte Rückstehungserklärungen abgeben.