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Biodiesel: Abnehmer gesucht

Von Dieter Friedl

Wirtschaft

Schlechte Preise für die Hersteller. | Ausbaupläne | zurückgestellt. | Wien. In Österreich schießen die Biodieselfabriken wie Schwammerl aus dem Boden. Das Problem dabei: Nicht einmal die Hälfte der am heimischen Markt vorhandenen Kapazitäten kann im Inland verkauft werden. Für den Export von Biodiesel stehen die Chancen aber nicht allzu gut, denn die Preise für Biodiesel sind in den Keller gefallen. Erschwerend wirkt, dass der deutsche Markt wegen der steigenden steuerlichen Belastung von Biodiesel weitgehend zusammengebrochen ist.


Seit Sommer 2006 ist die Biodiesel Vienna, die zur Münzer-Gruppe gehört, mit einer Kapazität von 95.000 Tonnen in Betrieb, davon können rund 50.000 Tonnen bei der OMV untergebracht werden. Für die restlichen Mengen werden Abnehmer bei Frächtern und Flotten gesucht.

Vor kurzem hat eine weitere Anlage für 100.000 t in Enns den Betrieb aufgenommen, an der Raiffeisen Oberösterreich ein großes Aktienpaket hält. Dazu kommen noch heuer eine 50.000 t-Fabrik der Salzburger Friesacher-Gruppe in Krems sowie eine Anlage ähnlicher Größenordnung in Hohenau, bei der Wirtschaftsberater Klaus Woltron Drahtzieher ist. Als Mehrheitsaktionär konnte hier die deutsche EOP Biodiesel gewonnen werden. Bereits am Markt sind Anlagen für je 40.000 t in Möllersdorf sowie der Kärntner Rudolf-Gruppe.

Hohe Rapspreise

Die meisten Biodieselfabriken arbeiten auf Rapsölbasis, das jedoch nur in geringem Ausmaß in Österreich vorhanden ist. Die größte österreichische Rapsölmühle steht in Bruck und gehört dem internationalen Bunge-Konzern. Sie benötigt 250.000 t Raps für die Verarbeitung, kann aber nur ein Drittel in Österreich kaufen, der Rest kommt aus Ungarn und der Slowakei. In Bruck wird ein Teil des Öls zu Biodiesel weiterverarbeitet, der Rest verkauft.

Das Problem für die Biodieselerzeuger ist, dass die Rapspreise am Weltmarkt nach wie vor hoch sind, Biodiesel allerdings nur mehr einen Preis von 60 Cent ab Werk je Liter erzielt. Das heißt, dass samt Transportkosten und Handelsspanne nicht unter 70 Cent angeboten werden kann, womit man gegenüber dem fossilen Diesel kaum mehr konkurrenzfähig ist.

Altfett als Alternative

Viele deutsche und österreichische Frächter haben dem Biodiesel daher bereits den Rücken gekehrt. Bleiben nur mehr die Mineralölkonzerne, die Dieseltreibstoff 4,7 Prozent "Bio" beimischen. Die OMV kann etwa 120.000 t abnehmen, internationale Konzerne wie BP kaufen allerdings bei ausländischen Konzerntöchtern zu. Helfen können sich einige Anbieter mit Anlagen, die nicht nur teuren Raps, sondern auch billigere Altfette verarbeiten können. Daher meint Woltron zur "Wiener Zeitung": "Vor den Rapsbrüdern haben wir keine Angst, wir können jeden Dreck verwerten".

In Anbetracht der schwierigen Lage bei Biodiesel haben einige bereits die Reißleine gezogen. So wurde vor einigen Monaten in Krems der Grundstein für eine 200.000 t-Anlage gelegt, seither ist aber nichts mehr zu hören. Und Biodiesel Vienna hat noch im Herbst einen Ausbau auf bis zu 400.000 t angekündigt, wovon man heute nichts mehr wissen will. Alle Pläne wurden auf Eis gelegt. Da dürfte auch mitspielen, dass die Münzer-Gruppe stark mit Fremdkapital arbeitet und die Banken für derartige Ausbaupläne kaum mehr zu gewinnen sein dürften.

Wie trist die Lage ist, zeigen auch die Aktienkurse einschlägiger Firmen: Sie haben sich in den letzten 12 Monaten halbiert.