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Biodiesel: Aus für Regionalität

Von Klaus Faißner

Wirtschaft
Biodiesel-Beimischen heißt die Devise der Mineralölkonzerne. Faißner

Produktionskapazitäten werden aufgestockt. | Rohstoffe kommen aus dem Ausland. | Wien. Von Null auf 100: So könnte man beschreiben, was sich ab heute, dem 1. Oktober, in punkto Biodiesel in Österreich tut. Zwar beläuft sich der nun gesetzlich vorgeschriebene Biotreibstoffanteil "nur" auf 2,5 Prozent des gesamten Spritverbrauchs, dennoch zieht dies weit reichende Veränderungen mit sich. Vor allem auch deshalb, weil dieser Anteil bis 2008 auf 5,75 Prozent gesteigert werden muss.


Bisher wurden nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft der Biotreibstoffhersteller Österreichs (ABÖ) hierzulande jährlich nur einige wenige tausend Tonnen in die Autos, Lkw und Busse getankt, was rund 0,1 Prozent des gesamten Treibstoffverbrauchs entspricht. Der Rest der Produktion von rund 55.000 Tonnen pro Jahr ging vorzugsweise nach Deutschland und Italien, wo höhere Preise für Biodiesel erzielt werden konnten.

Doch reichen weder die derzeitige Produktion noch die Produktionskapazitäten der bestehenden Anlagen von gut 100.000 Tonnen pro Jahr aus, um die jetzige oder gar die künftige Nachfrage zu befriedigen: Ab heute müssen jährlich mindestens 200.000 Tonnen Biosprit in die Tanks der österreichischen Fahrzeuge fließen, in drei Jahren mehr als 450.000 Tonnen.

Um diesen Vorgaben nachzukommen, sind derzeit zwei 100.000-Tonnen-Biodiesel-Anlagen - eine in Wien und eine im oberösterreichischen Ennshafen - in Bau, die den erzeugten Biosprit an die OMV liefern werden. Zusätzlich ist ein Werk zur Herstellung von Bioethanol, welcher dem Benzin beigemischt wird, im Gespräch. Bis zur Fertigstellung der Anlagen wird die OMV - wie auch die anderen Mineralölkonzerne - auf im Ausland erzeugten Biodiesel zurückgreifen.

Rohstoffe sind rar

Noch prekärer ist die Situation, was die Rohstoffe anbelangt: Nicht nur das billige und daher begehrte Altspeiseöl ist begrenzt, sondern auch der heimische Raps. Ist Raps mit einer relativ geringen Gesamtanbaufläche von rund 35.000 Hektar ohnehin keine häufig kultivierte Pflanze, so ist der Anteil des Rapsanbaus für die Biodieselproduktion verschwindend gering. Das bedeutet auch, dass das Konzept der ersten Stunde, Biodiesel im Sinne kleinräumiger Kreisläufe aus Rohstoffen der jeweiligen Region zu gewinnen, ihn möglichst vor Ort zu produzieren und in der Region zu verbrauchen, der Vergangenheit angehören dürfte. So erklärt Dieter Heisig von der Neckermann GmbH, dem künftigen Betreibers der Biodieselanlage in Ennshafen, dass die Rohstoffe dafür vorwiegend aus Ungarn und Tschechien kommen werden.

Für Werner Körbitz, Geschäftsführer des Österreichischen Biotreibstoff-Instituts, liegt die Zukunft u.a. auf den Äckern Bulgariens und Rumäniens und hier wiederum im Anbau spezieller Sonnenblumen-Sorten. Er betont, dass die nun in Österreich umgesetzte Biotreibstoff-Richtlinie sich nur in puncto Verbrauch auf die einzelnen Länder bezieht. Sowohl die Rohstoffe als auch der Biodiesel selbst können aus allen Teilen der Welt bezogen werden - wie z.B. Soja aus Brasilien oder Raps aus China, Kanada oder den USA.