Zum Hauptinhalt springen

Biomasse und Solar: Stadt Wien bekennt sich zum Öko-Strom

Von Werner Grotte

Wirtschaft

Angesichts bundesweiter Diskussionen zum Ökostromgesetz setzt Wien ein klares Zeichen: Um die Untrennbarkeit von Ökologie und Ökonomie zu demonstrieren, präsentierte Wirtschaftsstadtrat Sepp Rieder am Dienstag Wiens neues Biomasse-Kraftwerk Simmering sowie eine Reihe verbesserter Solarenergie-Förderungen, die nun auch Kleinbetreiber einbinden. Im Rahmen des Klimaschutzprogrammes will Wien damit vor allem die schädlichen Kohlendioxid(CO2)-Emissionen reduzieren. Eine Gesetzesänderung könnte dies allerdings gefährden.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 20 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Schon die Tatsache, dass nicht Umweltstadträtin Isabella Kossina, sondern Wiens oberster Säckelwart und Wirtschafter Sepp Rieder am Dienstag "neue Maßstäbe im Klima- und Umweltschutz" präsentierte, ließ aufhorchen. So betrachtete Rieder es vorweg als "kein großes Geheimnis mehr, dass ökologische Projekte nicht zwingend Feinde der Wirtschaftlichkeit sind".

Als klare Alternative zum Atomstrom und als Instrument zur Reduktion des gesundheitsschädlichen CO2 in der Atemluft bekenne sich Wien zur Kraft-Wärme-Kopplung sowie zur Steigerung des Ökostrom-Anteiles auf vier Prozent. Ein wichtiger Schritt dorthin ist das geplante Biomasse-Kraftwerk Simmering, mit dem der gegenwärtige Anteil von einem Prozent auf 3,3 Prozent angehoben werden könnte.

Das weltweit erste Kraftwerk dieser Art mit eigens entwickeltem Katalysator wäre auch das größte in Europa und somit ein weiteres Aushängeschild heimischer Umwelt-Technologie in der EU. Nach Beendigung der bis Juni laufenden Genehmigungsphase wäre ein Baubeginn Anfang 2005 und ein Vollbetrieb ab Juli 2006 realistisch. Bei 8.000 Betriebsstunden im Jahr würden 160 Gigawatt Strom oder nach Bedarf auch Fernwärme erzeugt werden. Die Kohlendioxid-Emissionen in Wien würden dadurch um 144.000 Tonnen im Jahr reduziert. Als langfristiger wie heimischer Rohstoff-Lieferant stünden die Österreichischen Bundesforste parat.

56-Millionen-Investition

Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Betrieb des 56- Mill.-Euro-Projektes wäre allerdings ein Kilowattstunden-Preis von 10,02 Cent. Und den sieht Rieder durch eine mögliche Änderung des Ökostrom-Gesetzes gefährdet: "Das Vertrauen der Investoren wäre weg, das Projekt gestorben".

Flankierend hat Wien seit 1. Jänner verbesserte Förderungsrichtlinien auch für Errichter kleinerer Solaranlagen geschaffen, wofür bis 2006 über 1,3 Mill. Euro zur Verfügung stehen. Damit können rund 1.000 neue Solaranlagen mit durchschnittlich neun Quadratmeter Größe entstehen. Am "Tag der Sonne", 7. Mai, startet auch eine neue Solarberatung im Wien Energie Haus.

http://www.wien.gv.at/ma25/sonnfoer.htm .

http://www.wienenergie.at .