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Biotechnologie bleibt turbulente Branche

Von Peter Kantor

Wirtschaft

Wer an den Aktienmärkten eine besondere Herausforderung sucht, dem drängt sich die junge Biotechnologie-Branche geradezu auf. Kaum ein anderer Industriezweig wartet mit derart langen Produktentwicklungen, derart vielen Unabwägbarkeiten auf, bietet aber - wenn die innovativen Produkte (meist Medikamente) einmal "marktreif" sind - große Gewinnchancen. Im laufenden Jahr könnte sich die positive Stimmung des Jahres 2003 fortsetzen. Experten empfehlen primär Investments in Small und Mid Caps.


Die Zukunft der Biotech-Branche ist rosig - jedenfalls langfristig. Wir werden immer älter und unser Aufwand für die Gesundheit immer größer. Der "Health-Care-Markt" wächst zweistellig und biotechnologisch erzeugte Arzneimittel nehmen an Bedeutung zu. Zwischen 50 und 100 Biotech-Medikamente dürften in den kommenden 5 Jahren auf den Markt kommen und zum Teil bisher unheilbare Krankheiten heilen können.

Die Börsen haben diese Perspektiven in der Vergangenheit meist nur zögerlich quittiert, boten die Biotech-Unternehmen doch selten Gewinne und wenig Sicherheiten. Das Vorjahr entwickelte sich allerdings zu einem sehr erfolgreichen für die Branche. Der NASDAQ Biotech-Index (NBI) stieg auf Jahressicht mit plus 46% deutlich stärker als der S & P 500 mit plus 26%.

"Die bessere Performance hatte eine Reihe von fundamentalen Gründen", erklärt Branchenexperte Jürgen Harter von Medical Strategy Relations im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Zum einen seien die Produktumsätze 2003 um 40% auf 16 Mrd. US-Dollar gestiegen. Des weiteren habe die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für 25 neue und genehmigte Indikationserweiterungen bei 12 bereits zugelassenen Biotech-Medikamenten erteilt. "Die positive Stimmung ermöglichte gute Finanzierungsmöglichkeiten für viele Unternehmen", konstatiert Harter. Insgesamt flossen über Venture Finanzierung, IPOs, Secondary Offerings, Wandelanleihen und Lizenzzahlungen 19 Mrd. US-Dollar in den Sektor, das zweitbeste Ergebnis seit 2000.

Für 2004 sind die Analysten nicht so zuversichtlich. Die großen Biotech-Unternehmen sind mit einem geschätzten KGV für 2005 von ca. 23 fair bewertet und haben nur begrenztes Aufwärtspotential", meint etwa Harter. Daher liegen die Chance vor allem bei Small- und Mid Caps.

Bisher macht nur ein kleiner Teil der Biotech-Unternehmen Gewinne. "Die Branche ist noch relativ jung und die meisten Unternehmen wurden in den letzten 20 Jahren gegründet", erklärt Harter. Ein Arzneimittel erfolgreich zu entwickeln und auf dieser Basis profitabel zu werden, dauere aber ca. 15 Jahre. Zwar seien die "Pipelines" im Biotech-Sektor gut gefüllt (Anm.: ca. 1000 Medikamente befinden sich in der klinischen Entwicklung), bis diese auf der Basis von vermarkteten Produkten profitabel werden, dürfte aber noch dauern.

Gefragt nach der Konkurrenzfähigkeit europäischer Biotech-Unternehmen, weist Harter auf die am Kontinent bereits etablierten Biotechs Serono, Celltech und Actelion hin. Zu den jüngeren Unternehmen, die sich gut entwickelt haben oder noch entwickeln können, zählt er etwa GPC Biotech in Deutschland oder Intercell in Österreich. "Positiv ist, dass es seit Mitte der 90iger Jahre auch in Europa viele neue Biotech-Unternehmen gibt, deren Medikamente sich aber meist noch in sehr frühen Phasen der Entwicklung befinden", so Harter. Generell liege Europa aber in diesem Sektor weit hinter den USA und werde diesen Rückstand in den nächsten Jahren auch nicht aufholen.

Für Investoren bedeute dies zur Zeit noch, dass sie schwerpunktmäßig ("zu ca. 80%") in US-Unternehmen investieren müssen, aber sich bereits jetzt selektiv "Perlen" in Europa heraussuchen sollen.

Nach Tipps gefragt, empfiehlt Harter Anlegern generell eine "ausreichende" Streuung. Konkret seien zur Zeit die Fonds "Medical BioHe@lth-Trends" und "VCH Expert Biotech" interessante Investments. "Beide Fonds haben ihre Benchmark, den Nasdaq Biotech Index, deutlich outperformt und führen die Ranglisten der Biotech-Fonds an", argumentiert er.