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Bis 2050 liegt China vor Kanada

Von Christine Zeiner

Wirtschaft

+++ Emergingländer mit höherer Leistung. | Wirtschaftsboom spüren nicht alle. | Zürich/Wien. Bis zu 120 Kilogramm Schwefelstein schleppt der junge Mann fünf Kilometer vom dampfenden Krater des Kawa Ijen hinab - oft zwei Mal am Tag. Vom Wirtschaftsboom seines Landes bemerkt er nichts.


Zürich/Wien. Bis zu 120 Kilogramm Schwefelstein schleppt der junge Mann fünf Kilometer vom dampfenden Krater des Kawa Ijen hinab - oft zwei Mal am Tag. Vom Wirtschaftsboom seines Landes bemerkt er nichts.

Indonesien zählt ebenso wie China, Indien oder Mexiko zu jenen Ländern, die einen immer größeren Anteil an der Weltwirtschaftsleistung erbringen werden. Die Kaufkraft werde jene in den USA übertreffen, sagt das Wirtschaftsberatungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) in seiner kürzlich publizierten Studie voraus.

Bis zum Jahr 2050 wird laut PwC das Bruttoinlandsprodukt der so genannten E7-Länder China, Indien, Brasilien, Russland, Indonesien, Mexiko und der Türkei um ein Viertel über jenem der G7-Länder USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Kanada liegen. Indonesien habe wie Indien das Potenzial, zur weltweit schnellstwachsenden Volkswirtschaft der kommenden Jahrzehnte zu werden.

Die Straßen Neu Delhis sind staubig. Seit Jahren lenkt Anjum seine Rikscha an Mopeds, Kühen, Autos, Bussen und Pferdekarren vorbei. Der Aufschwung seines Landes zieht an ihm vorüber. Für das laufende Haushaltsjahr erwartet die indische Regierung ein Wachstum von 8,1 Prozent. Doch in der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens leben mehr als 300 Millionen der 1 Milliarde Einwohner von weniger als 1 US-Dollar pro Tag. Das Wachstum der Volkswirtschaft wird von den großen Unternehmen und der zunehmenden Mittelschicht getragen.

Indien vor China

Ähnlich ist die Situation in China: Hier erwirtschaftet ein Fünftel der Bevölkerung die Hälfte des Gesamteinkommens. PwC geht davon aus, dass die Kaufkraft bis zum Jahr 2050 um 40 Prozent über jener in den USA liegen wird - wobei das Einkommen unter dem Durchschnitt der Industrieländer bleiben dürfte. Von offizieller Seite werden Wachstumsraten von knapp 10 Prozent vorausgesagt. PwC meint dennoch, dass sich die Konjunktur abkühlen werde, da die Zahl der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sinken werde. Indien und Indonesien werde folglich China in der Statistik überholen.

Die Industrieländer werden von den aufstrebenden Schwellenländern profitieren, wenn sie ihnen Zugang zu ihren Märkten gewähren, heißt es in der Studie. Produzenten von Massenwaren und Finanzdienstleister würden aber unter Druck geraten.

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